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Sogar einen Kühlschrank haben die Joggerinnen gefunden. Foto: Morelli
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Daniela Exler (links) und Patricia Mindermann auf der Suche nach Abfällen. Foto: Morelli

Plogging: Dieser neue Fitness-Trend soll Pforzheim sauberer machen

Pforzheim. Beim Fitness-Training für eine saubere Stadt sorgen. Also gleichzeitig etwas für die eigene Gesundheit und für die Umwelt tun – der Gedanke hört sich gut an. Das findet auch Petra Schad-Vollmer vom Pforzheimer Amt für Umweltschutz. Sie möchte den neuen Trendsport namens „Plogging“ in Pforzheim einführen. Dabei soll parallel gejoggt und Müll eingesammelt werden, wobei „plocka“ auf Schwedisch „aufheben“ bedeutet.

Am Samstag hat Petra Schad-Vollmer einen ersten Plogging-Treff organisiert, mit dem sie Sportvereine und Schulen zu regelmäßigen Aktionen anregen möchte. Schad-Vollmer rüstet die Teilnehmer am Reuchlinhaus mit Handschuhen und Müllsäcken aus. Die meisten von ihnen gehören den unterstützenden Vereinen TV 1879 Eutingen und LC 80 Pforzheim an. Anschließend finden sich zwei Gruppen zusammen, die jeweils unterschiedliche Routen entlang der Enz übernehmen, um eine möglichst große Fläche vom Müll zu befreien.

Eine Gruppe startet in den Stadtpark. Dort ist es weniger verschmutzt, als die meisten Teilnehmer erwartet hätten. Trotzdem wandern bereits einige Bierdeckel, Plastikverpackungen, eine Sonnenbrille und sogar eine Unterhose in die Müllbeutel. Dabei stellt sich schnell heraus, dass sich die beiden Aktivitäten Joggen und Müllsuchen gar nicht so leicht miteinander verbinden lassen. Entweder achtet man auf den Müll und wird dabei automatisch langsamer oder man konzentriert sich auf das Joggen und übersieht dabei die Abfälle. Um beidem gerecht zu werden, muss man sich pro Streckenabschnitt entscheiden oder kann nur bei größeren Müllansammlungen Halt machen.

Da viele Teilnehmer am Morgen bereits 30 Kilometer gejoggt sind, entscheidet sich die Gruppe hingegen, ihren Fokus auf das Müllsammeln zu legen. „Die Bewegungen, um an den Müll zu gelangen, wie das Bücken und Aufheben, gehören auch zum sportlichen Aspekt“, meint Inge Aab vom LC 80. Für die Läufer ist das eine willkommene Abwechslung. Das gemütliche Gehen bietet zudem mehr Gelegenheit, sich auszutauschen. Zum Thema Müll geht den Aktionsteilnehmern einiges durch den Kopf.

„Ich finde es gut, der Natur etwas zurückzugeben. Gleichzeitig ist es aber auch traurig, dass das überhaupt nötig ist“, findet Daniela Exler. Petra Roos berichtet, wie sie über soziale Medien auf Müllanhäufungen in ihrer Nachbarschaft aufmerksam macht. Selbst versucht sie, alte, noch brauchbare Objekte zu verschenken.

So drehen sich viele Gespräche um das Konsum- und Wegwerfverhalten in unserer Gesellschaft. Die Funde am südlichen Enzufer regen immer wieder dazu an. Verpackungsreste und leere Flaschen sind längst nicht alles, was dort zurückgelassen wird.

Kinderspielzeug, Schuhe, Plastikplanen, ein Schulranzen, eine Dunstabzugshaube und sogar ein ganzer Kühlschrank liegen herum. Die Plogger tragen die Abfälle zusammen und verzeichnen deren Standpunkte in einer Karte. So ist es mit der Stadtverwaltung abgesprochen, die den Müll am Ende abholt. Ohne deren Unterstützung müsste wohl das meiste liegenbleiben. Eine solche Absprache empfiehlt sich daher auch allen Gruppen, die sich für Plogging begeistern und ganz in Schad-Vollmers Sinn in Zukunft eigene Aktionen auf die Beine stellen möchten.