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Den größten Applaus bekam am Samstagabend Jonathan Löffelbein. Er setzte sich im Kupferdächle gegen neun andere Poetry Slammer durch.  Falk
Den größten Applaus bekam am Samstagabend Jonathan Löffelbein. Er setzte sich im Kupferdächle gegen neun andere Poetry Slammer durch. Falk
10.10.2016

Poetry Slam im Kupferdächle

Im Zeichen des Reimens ist am Samstagabend das Kupferdächle gestanden. „Zum ungefähr 76. Mal“, wie Lino Wirag sagte, stand dort Poetry Slam auf dem Plan. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Andreas übernahm Wirag auch in diesem Jahr wieder die kurzweilige Moderation des Abends. Als erste Slammerin betrat die erst 16-jährige Toni Loba die Bühne. Die Stuttgarterin brachte den voll besetzten Saal mit ihrem Stück „Die Menschheit“, in dem sie kritische Töne zur Situation vieler Flüchtlinge anschlug, zum Nachdenken.

Auch Jonas Schilling slammte über das Schicksal eines Flüchtlingsjungen, der in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in einem Boot über dem Meer sein Leben riskiert. Ebenfalls gesellschaftskritisch zeigte sich Rolf Suter. „Die Würde des Menschen ist unantastbar, Donald“, so Suter, der damit den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump aufs Korn nahm.

Traum vom Regentropfen

Vom hoffentlich freundschaftlichen Ende einer Beziehung sprach Slammer David Geisert aus Pforzheim und sorgte damit für die ersten Lacher des Abends. Die Gegenseite brachte Isabell Faust auf die Bühne: „Tropf ins Leere“ handelte von einem unglücklich verliebten Mädchen, das davon träumt, ein kleiner Regentropfen zu sein. Als „poetischen Sturzbach“ bezeichnete Moderator Wirag die Darbietung.

Den wohl außergewöhnlichsten Auftritt des Abends legte Benjamin Steinhagen alias „Böni“ hin. Seine neuinterpretierte Mitmachversion vom Märchen „Hänsel und Gretel“ forderte das Publikum, das nur zu gerne mitsprach und -klatschte. Gabriel Krauß alias „Johannes Bargeld“ brachte die Zuhörer mit Sätzen wie „Deine Oma ist alleinstehend, meine fährt Rollator“ zum Lachen und bot ein Stück über den Poetry Slam selbst dar. Stefan Unser forderte dazu auf, weniger zu wollen und mehr zu wünschen und zu hoffen. Der Slammer präsentierte außerdem noch ein Stück auf badischer Mundart und gewann damit die Herzen der Zuhörer.

Ein Höhepunkt des Abends war das Duo „Fabelstapler“. Markus Bucherer und „Phriedrich Chiller“ kritisierten den Menschen und machten auf die Rücksichtslosigkeit vieler Handlungen aufmerksam. In ihrer Mischung aus Gedicht, Rap und Gesang überzeugten die zwei Slammer mit fehlerfreien Reimen in einer beachtlichen Geschwindigkeit. Dem in nichts nach stand Jonathan Löffelbein. Er sorgte mit seinem überspitzten und selbstironischen Stück „Natürlich bin ich ein Bad Boy, und dass du das Gegenteil behauptet hast, hat jetzt schon meine Gefühle verletzt“ für die meisten Lacher des Abends. Nach jedem Auftritt verteilte eine Jury aus den Reihen der Zuschauer Punkte für die Darbietung. Im Finale konnte sich Löffelbein gegen die zwei Slam-Profis von „Fabelstapler“ durchsetzen und den größten Applaus verbuchen.