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Spezialisten von Kriminalkommissariat Pforzheim und Landeskriminalamt haben nach der Ursache für den Brand an der Hirsauer Straße in Pforzheim-Dillweißenstein gesucht und sind sich wohl einig, dass ein technischer Defekt oder ein unsachgemäßer Umgang mit einem Gas-Heizgerät die Schuld am Tod von vier Menschen trägt. © Seibel
Am Dienstagmorgen wurden die vier Brandleichen aus dem unbewohnbar gewordenen Haus an der Hirsauer Straße 70 in Pforzheim-Dillweißenstein geborgen. Die Polizei muss jetzt die Identifizierung klären und die Brandursache ermitteln. © Seibel
In der Nacht musste das Dach im Brandhaus Hirsauer Straße 70 geöffnet werden, um Löschen zu können und einen Abzug des dichten Rauchs zu ermöglichen. Am Morgen wurde das Dach noch weiter geöffnet, um den Abtransport der vier Leichen zu ermöglichen. © Seibel
Als nach den ersten Löscharbeiten Feuerwehrleute das Dachgeschoss des Hauses Hirsauer Straße 70 in Pforzheim-Dillweißenstein betreten konnten, fanden sie dort vier tote Personen.  © Seibel
Brand-Dillweißenstein-vier-Tote © Seibel
20.10.2015

Polizei: Keine Brandstiftung - vier Brandtote durch technischen Defekt

Pforzheim-Dillweißenstein. „Nach dem Brand eines Dachstuhls mit vier Todesopfern in Dillweißenstein in der Nacht zum Dienstag könnte ein technischer Defekt oder der unsachgemäße Umgang mit einem gasbetriebenen Heizgerät die Ursache für das Feuer gewesen sein“, melden Staatsanwaltschaft Pforzheim und Polizeipräsidium Karlsruhe in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Nach der Begutachtung des Gebäudes an der Hirsauer Straße 70 in Pforzheim-Dillweißenstein schließen Ermittler des Kriminalkommissariats Pforzheim und Sachverständige des Landeskriminalamtes nunmehr eine vorsätzliche Brandlegung weitgehend aus.

Bildergalerie: Betroffenheit und Spurensuche: Vier Tote bei Brand in Pforzheim

Bildergalerie: Brand in Dillweißenstein fordert vier Todesopfer

„Hier hat heute Nacht eine Tragödie stattgefunden, vier Menschen, die in Pforzheim gelebt haben, sind ums Leben gekommen. Wir sind erschüttert“, sagte Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager über den Brand in einem alten Haus an der Hirsauer Straße 30 in Pforzheim-Dillweißenstein. Hager hat sich mit Erstem Bürgermeister Roger Heidt vor Ort ein Bild über die schrecklichen Geschehnisse der vergangenen Nacht gemacht. Auch der Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum war schon früh am Morgen zum Brandort geeilt und ließ sich über die Tragödie informieren. Im lichterloh brennenden Dachgeschoss kamen vier Menschen ums Leben. Der Pforzheimer Gemeinderat, so die Hager-Mitteilung, werde in seiner Sitzung am Dienstagnachmittag in einer Schweigeminute den Opfern gedenken.

Die Brandopfer sind indessen noch nicht eindeutig identifiziert. Es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach um rumänische Staatsangehörige im Alter von 28, 30, 36 und 40 Jahren, die allesamt einer Tätigkeit im Transportgewerbe nachgingen. Drei der Getöteten wohnten dort. Ersten Erkenntnissen zufolge war ein weiteres Opfer wohl nur vorübergehend zu Besuch dort untergebracht. Näheren Aufschluss zur Identität der bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Personen erhoffen sich die Ermittler unter anderem durch die von der Staatsanwaltschaft Pforzheim veranlasste Obduktion sowie durch weitere, über das rumänische Konsulat eingeleitete Ermittlungen.

Vergleichbare Tragödien gab es in Pforzheim und dem Enzkreis bisher nur selten. Einen Überblick vergangener Brände gibt es für Abonnenten von PZ-Plus hier.

Leichte Verletzungen trug ein 25 Jahre alter Bewohner der Dachwohnung davon, der zunächst durch einen Knall und in der Folge durch einen ausgelösten Brandmelder auf das Feuer aufmerksam geworden war und sich über das Dach und die Regenabläufe in das darunterliegende Geschoss retten konnte. Das Alarmsignal des Brandmelders kam für die Brandopfer wohl zu spät, so ein Polizeisprecher.

Schwere Brandverletzungen erlitt ein im Obergeschoss wohnender 36 Jahre alter Familienvater, der den im Dachgeschoss durch den Brandfortschritt eingeschlossenen Personen zu Hilfe eilen wollte. Er musste allerdings sein Vorhaben abbrechen und kam anschließend zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Lebensgefahr bestehe nach Auskunft der Ärzte nicht. Dessen 37 Jahre alte Ehefrau und der 3-jährige Sohn konnten sich in Sicherheit bringen. Nach den inzwischen durchgeführten ärztlichen Untersuchungen blieben beide unverletzt. Gleichfalls ohne Blessuren blieb eine im Erdgeschoss wohnende 32-Jährige, die sich rechtzeitig ins Freie retten konnte.

Um 0.07 Uhr lief die Alarmmeldung vom Brand ein. Höchste Eile war geboten, denn die Retter mussten davon ausgehen, dass sich noch Menschen im brennenden Gebäude aufhielten. Nach sechs Minuten erreichten die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr Pforzheim die Brandstelle. „Beim Eintreffen der Feuerwehr schlugen bereits massive Flammen aus dem gesamten Dachstuhl. Die Treppe vom Obergeschoss ins Dachgeschoss stand bereits in Brand“, meldet die Feuerwehr Pforzheim. Während von außen Trupps über zwei Drehleitern das Dachgeschoss öffneten, um zum einen löschen zu können und zum anderen den dichten Rauch aus dem Gebäude entweichen zu lassen, drangen zwei Trupps durch den Qualm über zwei Etagen und ein brennendes Treppenhaus hinweg ins Dachgeschoss hoch. Unterdessen wurden einige im Schlaf überraschte und unter Schock stehende Hausbewohner außerhalb des Brandhauses von Rettungskräften versorgt. Die über vermisste Bewohner informierten Feuerwehrleute ahnten schon, was sie im Dachgeschoss entdecken würden. Sie fanden, so Kommandant Sebastian Fischer in einer nächtlichen Pressekonferenz, vier tote und bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Menschen.

Geborgen wurden die Toten erst Stunden nach dem Brand. Am Morgen qualmte es immer noch aus dem Dachgeschoss. Scheinwerfer erleuchteten die Szenerie im Inneren des Mehrfamilienhauses. Feuerwehrleute flexten eine quadratische Öffnung ins Dach. Dort bereiteten Kollegen in gelben Schutzanzügen gerade den Abtranstransport der Leichen vor; verpackten sie in weiße Säcke, hoben sie auf orangene Tragen und brachten sie durch die Öffnung des Daches über eine Drehleiter nach unten. Um 6.11 Uhr waren im Pforzheimer Stadtteil Dillweißenstein die Toten geborgen.

70 Pforzheimer Feuerwehrleute, die mit 17 Fahrzeugen aus sieben Abteilungen in Dillweißenstein eintrafen, bekämpften den Brand, dessen Ausbreitung auf direkt angrenzende Nachbargebäude verhindert werden konnte. Das Haus steht Wand an Wand eingekeilt zwischen einem größeren Bürogebäude und einem anderen großen Wohnhaus. Um 0.55 Uhr war der Brand unter Kontrolle, eine Stunde später war das Feuer gelöscht. Ein Angehöriger der Freiwilligen Feuerwehr zog sich bei den Löscharbeiten leichte Verletzungen zu. Die Nachlöscharbeiten waren umfangreich und dauerten den gesamten Vormittag an. Dienstfreie Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr verstärkten die Integrierte Leitstelle und stellten den Grundschutz für parallele Einsätze sicher.

Vor Ort waren neben 16 Polizeibeamten auch 30 Angehörige des Rettungsdienstes. Das DRK war mit 16 Einsatzfahrzeugen und 27 Rettungskräften vor Ort. Darunter befanden sich auch ehrenamtliche Helfer der Ortsvereine Pforzheim und Königsbach. Im Einsatz waren fünf Rettungswagen, fünf Fahrzeuge des DRK-Ortsvereins Pforzheim, ein leitender Notarzt sowie zwei Notarzteinsatzfahrzeuge zwei organisatorische Leiter des Rettungsdienstes und der Notfallnachsorgedienst. Die Polizei musste die Dillweißensteiner Ortsdurchfahrt – die Hirsauer Straße ist die ins Nagoldtal führende B463 – für die Dauer des Löscheinsatzes komplett sperren, weshalb bereits am Kupferhammer der Verkehr umgeleitet wurde.

Am Dienstagmorgen lagen noch Haufen von Dachziegeln vor dem abgesperrten Straßenstück vor dem Brandhaus. Der Dachstuhl steht noch, wirkt aber wie eine verkohlte Ruine.