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Kontrolle am Pforzheimer Hauptbahnhof: Die Bundespolizisten müssen inzwischen auch bei Routineeinsätzen stets mit allem rechnen. PZ-Archiv
Kontrolle am Pforzheimer Hauptbahnhof: Die Bundespolizisten müssen inzwischen auch bei Routineeinsätzen stets mit allem rechnen. PZ-Archiv
08.09.2017

Polizei muss an Bahnhöfen mit allem rechnen - Aggression in der Region nimmt zu

Pforzheim. Die gute Nachricht: Im Vergleich zur Lage an großen Bahnhöfen in Deutschland sind die Zahlen der Kriminalitätsstatistik für die hiesigen Stationen relativ konstant. Die schlechte: Auch für die Region muss die Bundespolizei einen gefährlichen Trend konstatieren – die Aggression nimmt zu.

Für Aufsehen hatte jüngst eine Erhebung gesorgt, wonach an Großbahnhöfen die Zahl von Gewalttaten und Diebstählen eklatant gestiegen sei, sich teilweise gar verdoppelt habe.

Auf Nachfrage der PZ hat die Bundespolizeiinspektion Karlsruhe die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik gesondert für die Bahnhöfe Pforzheim und Mühlacker sowie den Haltepunkt Königsbach-Stein ausgewertet.

Auffällig ist: Es scheint eine Diskrepanz zwischen objektiver Situation und dem subjektiven Sicherheitsgefühl zu geben. Denn immer wieder berichten Bürger, insbesondere im und am Pforzheimer Hauptbahnhof brenzlige Situationen oder gar Gewalttaten beobachtet zu haben.

Dies legt den Schluss einer örtlichen Zunahme nahe. Allerdings: Die Gesamtzahl der Straftaten gingen 2016 an den großen Stationen der Region im Vergleich zum Vorjahr zurück: In Pforzheim von 239 auf 228, in Mühlacker von 103 auf 81. Jedoch ist in Pforzheim bei Taschendiebstählen ein Anstieg zu verzeichnen – von drei auf neun. Und es gab jeweils mehr Körperverletzungen – in Pforzheim schnellte die Zahl gar von acht auf zwölf. In der Goldstadt wie in Mühlacker wurden dagegen deutlich weniger „Schwarzfahrer“ erwischt. Am Haltepunkt Königsbach-Stein, wo weiter keine Körperverletzung aktenkundig wurde, stieg die Gesamtzahl von 14 auf 18 Straftaten.

Die Werte selbst schätzt Carolin Bartelt als Sprecherin der Bundespolizeiinspektion denn auch nicht als unmittelbar alarmierend ein, zumal ein Großteil das „Schwarzfahren“ ausmache. Doch generell gibt es eine besorgniserregende Entwicklung, die etwa auch an den Bahnhöfen in Karlsruhe oder Mannheim festzustellen sei.

Zunehmend seien es „Standardsituationen“ wie das Erschleichen von Leistungen, die in einen größeren Einsatz mündeten. Immer häufiger würden Menschen schon gegenüber Bahnangestellten aggressiv und attackierten dann auch die hinzugerufenen Bundespolizisten. „Man kann durchaus beobachten, dass mehr Menschen Widerstand leisten oder aggressiv gegen Beamte auftreten“, so Bartelt. Zuweilen müsse eine zweite Funkstreife angefordert werden, um der Situation Herr zu werden oder die Person gar mit Handschließen zur Raison zu bringen.

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