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Mehrere Deosprays  im Bettkasten – das Bild bot sich nach dem Brand in der Nordstadt.
Mehrere Deosprays im Bettkasten – das Bild bot sich nach dem Brand in der Nordstadt.
04.02.2010

Polizei warnt: Schnüffeln mit Spraydosen lebensgefährlich

PFORZHEIM. Der Brand an der Hohenzollernstraße hat ein Problem in den Fokus gerückt, das in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt ist: Der Rausch aus der Deospray-Flasche ist die Droge der Kids und hat Klebstoff abgelöst.

Die Droge ist frei verfügbar, ein Rausch kostet nicht die Welt, die Folgen sind oft katastrophal: Deosprays haben Klebstoff – seit der kaum noch „high“ machende Lösungsmittel enthält – als Betäubungsmittel für Kinder und Jugendliche abgelöst. Auch wenn das Problem in Pforzheim „noch nicht die große Mode ist“, wie Harald Stickel, Leiter der Aktionsgemeinschaft Drogen, sagt. Aber was nicht ist, kann noch werden. In anderen Städten läuten bereits die Alarmglocken. „Mein Sohn hat sich mit Deo-Spray zu Tode geschnüffelt“, titelte gestern „Bild.de“ und zitierte den Vater eines 17-Jährigen aus Überlingen am Bodensee. Einer von denen, die an den Folgen sterben, denn eine Vergiftung bewirkt einen Sauerstoffmangel im Hirn. Im schlimmsten Fall hört das Herz auf zu schlagen. In Pforzheim, so die Polizei gestern, wurde eine 13-Jährige ins Krankenhaus eingeliefert und dort mehrere Tage lang behandelt, nachdem das Kind zusammengebrochen war.

Hochexplosives Gemisch

Das war nur kurz bevor schnüffelnde Kinder in einem Mehrfamilienhaus an der Hohenzollernstraße einen Zimmerbrand auslösten, der vom Sachschaden her glimpflich ausging. Aber noch immer liegt ein 13 Jahre altes Mädchen in einer Spezialklinik und wird behandelt. Auch wenn sie selbst nicht geschnüffelt haben sollte, sondern Freundinnen, wird ein weiteres Problem schlagartig offenkundig: Durch das Sprühen von mehreren Dosen entsteht ein Gas-Luft-Gemisch, das hochexplosiv ist. Nach Überzeugung der Ermittler war im Fall Hohenzollernstraße offenes Feuer, sei es ein Teelicht oder eine Zigarette, Ursache für die folgenschwere Verpuffung gewesen. Zwei 14-Jährige wurden bei dem Zimmerbrand leicht verletzt. Im vergangenen Jahr trug eine 15-Jährige in München schwere Verbrennungen davon, als sie mit ihrem zwei Jahre älteren Freund 15 Dosen geleert, das Gas inhaliert und mit einem Feuerzeug hantiert hatte. Als der Unfall passierte, war die Mutter nicht zu Hause. Ebenfalls schwere Brandverletzungen erlitt im Mai vergangenen Jahres ein 17-Jähriger in Duisburg. Der Hergang des Geschehens war der gleiche.