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2011 wurde ein junger Mann wegen einer Vergewaltigung verurteilt. 2015 vergewaltigte er erneut bei der Benckiserbrücke in Pforzheim eine Frau. Symbolbild: dpa/Dietz
2011 wurde ein junger Mann wegen einer Vergewaltigung verurteilt. 2015 vergewaltigte er erneut bei der Benckiserbrücke in Pforzheim eine Frau. Symbolbild: dpa/Dietz
12.09.2016

Positives Gutachten, bevor 24-Jähriger erneut eine Frau vergewaltigte

Pforzheim. Die Tat: Ein 24-jähriger Mann vergewaltigt im Oktober 2015 bei der Benckiserbrücke eine Frau. Er wird von der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim zu sechs Jahren Haft verurteilt – mit anschließender Sicherungsverwahrung. Die Vorgeschichte: Bereits im Jahr 2011 wurde der Mann – als Heranwachsender – zu dreieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Ebenfalls wegen Vergewaltigung. Er wurde auf Bewährung entlassen. Weshalb? Das wollte die PZ vom Amtsgericht Adelsheim wissen – und bekam keine Auskunft.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Rülke nutzte seine parlamentarischen Möglichkeiten und stellte eine Anfrage an die Landtagspräsidentin. Was ließ Justizminister Guido Wolf mitteilen?

Das Ministerium zitiert die Gerichtsbegründung für die Aussetzung der Strafe zur Bewährung. Demnach habe sich der Täter „im Vollzug sehr gut geführt, eine Sozialtherapie absolviert“ und das erste Jahr einer handwerklichen Ausbildung abgeschlossen. In der Folge habe es „vollzugsöffnende Maßnahmen“ gegeben sowie die Anbindung an eine Psychotherapeutische Ambulanz in einem betreuten Wohnobjekt. Es könne ein Bewährungsversuch „gewagt“ werden.

Rülke wollte auch wissen, wie viele Fälle von erneuter Vergewaltigung durch vorzeitig entlassene, verurteilte Straftäter in Baden-Württemberg seit 2011 bekannt seien. Hierzu könnten keine konkreten Zahlen genannt werden, heißt es aus dem Justizministerium.

Vielleicht hilft da die Nachfrage der PZ bei Klaus Michael Böhm weiter, Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe und Vorsitzender des Vereins Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) im Land. Die Zahl sei eher gering und vor allem gelte: Je länger und intensiver die Therapie von Strafhaftentlassenen andauere, desto geringer sei das Risiko eines Rückfalls, wie eine aktuelle Studie jetzt nachgewiesen habe. Die Therapieangebote in Baden-Württemberg seien deutschlandweit vorbildhaft. Gleichwohl könne es im Einzelfall zu nicht vorhersehbaren Entwicklungen kommen.

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