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Farbenfrohe, abstrakte Landschaftsbilder bestimmen das Spätwerk des gebürtigen Pforzheimers W. Carl Burger. Foto: Frei
Farbenfrohe, abstrakte Landschaftsbilder bestimmen das Spätwerk des gebürtigen Pforzheimers W. Carl Burger. Foto: Frei
24.12.2015

Prägender Besuch in Ruinenstadt

Seine Geburtsstadt hat W. Carl Burger nur kurz gesehen. Damals im Sommer 1946 war er als Angehöriger der US-Army von seinem Standort in München für zwei Tage ins kriegszerstörte Pforzheim gekommen. Hier erblickte er am 27. Dezember 1925 das Licht der Welt. Seine Eltern wohnten an der Durlacher Straße und wanderten ein paar Monate später mit dem Baby in die Vereinigten Staaten aus. Erst zum 65. Jahrestag des Luftangriffs vom 23. Februar 1945 arbeitete der frühere Professor of Art an der Kean University das Inferno in vier großformatigen Bleistiftzeichnungen auf. An diesem Sonntag kann W. Carl Burger seinen 90. Geburtstag feiern.

Wie viele andere Angehörige der Pforzheimer Schmuckindustrie entschlossen sich in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten der 1920er-Jahre auch der Juwelenfasser Karl Burger und seine Frau Helene, ihr Glück in den USA zu suchen. Ihren beiden Söhnen (der jüngere Fred lebt in Kalifornien) boten sie ein behütetes Elternhaus. Carl entdeckte früh sein Talent im Malen und Zeichnen. Obwohl deutscher Staatsangehöriger, wurde er in die US-Army zwangsverpflichtet, diente in Frankreich und Deutschland, zuletzt gehörte er als Karrikaturist der „Neuen Zeitung“ in München an.

Zurück in den Vereinigten Staaten, studierte Burger unter anderem an der New York University und der Columbia University. Als er 1961 einem Ruf der Kean University in Union (New Jersey) folgte, hatte er sich zuvor als freischaffender Künstler einen Namen gemacht. 1993 verließ der Professor die Universität, an der die aus Dillweißenstein stammende Siegrid Liepold (geborene Haug) seine Schülerin war. Sie und ihr Mann Gerhard stellten den Kontakt zum Pforzheimer Kulturamt her, das die vier Tafeln zum 23. Februar als Leihgabe erhielt.

Wie Oberbürgermeister Gert Hager in einem Glückwunschschreiben an den Jubilar bemerkt, „hat Sie Ihr gesamtes Leben ein Gemisch aus Pflichtgefühl und tiefem Mitgefühl den deutschen Freunden gegenüber begleitet“. Und das, obwohl er wegen eines Zwists mit Familienangehörigen nie mehr nach Pforzheim gekommen war.

Wie sehr W. Carl Burger jedoch seinen Eltern dafür dankbar ist, dass sie ihm eine glückliche Jugend und vor allem eine gute Ausbildung für eine später erfolgreiche berufliche Tätigkeit ermöglichten, wurde durch ihn dadurch bekundet, dass er darauf verzichtete, dass die Galerie an der Kean University seinen Namen trägt. Sie wurde auf seinen Wunsch in „Karl and Helen Burger Gallery“ benannt.