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Das Zusammenspiel der Laien und Profis gelang bei der Premiere einwandfrei. Unter anhaltendem Applaus verließen Schauspieler und Veranstalter die Bühne. Foto: Fischle
Das Zusammenspiel der Laien und Profis gelang bei der Premiere einwandfrei. Unter anhaltendem Applaus verließen Schauspieler und Veranstalter die Bühne. Foto: Fischle
05.05.2019

Premiere von „Das Missverständnis“ im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Ausverkauft: Die Premiere von „Das Missverständnis“ am Samstagabend im Kulturhaus Osterfeld hat sich als wahrer Besuchermagnet erwiesen. In drei Akten überzeugte der Amateurtheaterverein Pforzheim, unterstützt durch Profischauspielerin Ariane Beeskow; Regie führte Susanne Lehmann. In dem düsteren Stück geht es um Aufrichtigkeit. Es zeigt eindrucksvoll, wie entscheidend es ist, Dinge anzusprechen, anstatt Erwartungen in andere zu setzen. Außerdem erinnert es daran, wie engstirnig wir manchmal denken und regt an, diese Muster zu verlassen.

Das Familiendrama spielt in dem abgelegenen, schlecht laufenden Hotel von Martha (Ariane Beeskow) und ihrer Mutter. Ihre täglichen Arbeiten erledigen die beiden verbitterten Frauen lustlos. Einzig der Traum vom schönen Leben in einem sonnigen Land treibt sie an. Dafür tut die junge Martha alles: Für das nötige Geld hatten sie und ihre Mutter bereits mehrere Raubmorde an wohlhabenden Gästen begangen. Als der Sohn, der die Familie vor 20 Jahren verlassen hatte, zurückkehrte, sahen sie in ihm nur ein weiteres lukratives Opfer. Jan möchte erkannt werden, immer wieder gibt er Hinweise. Die Mutter scheint etwas zu ahnen, doch sie erkennt ihn nicht. Nur noch ein Mord trennt die Frauen vom vermeintlichen Glück. Gemeinsam planen sie, ihn zu vergiften. Während der Zuschauer weiter hofft, kommt das unerbittliche Ende immer näher.

Rollen doppelt besetzt

Das Theaterstück des späteren Nobelpreisträgers Albert Camus entstand während des Zweiten Weltkriegs. Charakteristisch an Lehmanns Neuinszenierung im Osterfeld ist die Doppelbesetzung nahezu aller Rollen. Der ständige Austausch der Schauspieler verändert den Blickwinkel der Zuschauer und hilft, die Charaktere besser zu verstehen. Diese Dynamik gibt dem schweren Stück etwas Leichtigkeit.

Das Zusammenspiel der Laien und Profis gelang bei der Premiere einwandfrei. Die Besucher waren restlos überzeugt, und der Applaus wollte kaum abebben.

Seit der Eröffnung des Osterfelds 1994 finden hier jedes Jahr gemeinsame Projekte mit dem Amateurtheaterverein statt. Dieser feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. „Das Missverständnis“ ist bereits die dritte Produktion im Jahr 2019.

Bis Oktober sind noch sechs weitere Termine angesetzt, nachzulesen auf www.kulturhaus-oesterfeld.de und atv-pf.de