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Diskussionsfreudig war der Projektbeirat von „Menschen in Not“: Siegmund Brenk, Sabine Schuster, Wolfgang Schwaab, Simon Walter, Magnus Schlecht und Werner Flachs (stehend von links), sowie Edith Münch, Jutta Leipert, Katja Kreeb, Alexander Heilemann, Susanne Knöller, Thomas Satinsky, Thomas Lutz, Hartmut Wagner und Iris Wellendorff (sitzend von links). Seibel
Diskussionsfreudig war der Projektbeirat von „Menschen in Not“: Siegmund Brenk, Sabine Schuster, Wolfgang Schwaab, Simon Walter, Magnus Schlecht und Werner Flachs (stehend von links), sowie Edith Münch, Jutta Leipert, Katja Kreeb, Alexander Heilemann, Susanne Knöller, Thomas Satinsky, Thomas Lutz, Hartmut Wagner und Iris Wellendorff (sitzend von links). Seibel
30.09.2015

Projektbeirat „Menschen in Not“ – Damit die Hilfe bei den Richtigen ankommt

Es darf, es soll, es muss auch mal kontrovers diskutiert werden, wenn es um die Spendengelder der PZ-Leser geht. Damit deren Großzügigkeit bei den Richtigen ankommt, hat die Hilfsaktion „Menschen in Not“ (MiN) vor zwei Jahren einen Projektbeirat ins Leben gerufen. Gemeinsam mit dem MiN-Vorstand und Ehrenamtlichen haben zahlreiche Fachkräfte am Dienstag über Großprojekte beraten.

„Wir verwalten die Spenden unserer Leser aus Pforzheim und dem Enzkreis treuhänderisch, daher nehmen wir die Anträge auf Hilfe sehr ernst“, sagte der Geschäftsführende PZ-Verleger Thomas Satinsky, der gemeinsam mit Susanne Knöller den Vorsitz bei „Menschen in Not“ inne hat.

„Das heißt auch, dass wir manchmal ,Nein‘ sagen müssen.“ Dies war bei der Beiratssitzung drei mal der Fall – etwa, weil bei eingereichten Projekten keine Not zu erkennen war oder weil für genannte Aufgaben andere Einrichtungen zuständig sind: Kommunen, soziale Träger oder Krankenkassen. „Deren Arbeit können und dürfen wir gemäß unserer Satzung nicht übernehmen“, erklärte Knöller. Und Satinsky ergänzte: „Wir helfen unschuldig in Not geratenen Menschen aus der Region. Flüchtlinge, die keine Bleibeperspektive haben und daher nur einige Monate hier sind, gehören da beispielsweise nicht dazu.“ Kontrovers diskutierte der Projektbeirat über die Frage, wie Asylbewerbern geholfen werden soll. Ein anderer Antrag wurde zurückgestellt, weil zunächst geprüft werden soll, ob die ehrenamtlichen Dolmetscher nicht auch über die Stadt entschädigt werden sollen.

Nach oben ging der Daumen des Projektbeirats dagegen für die folgenden Projekte:

Projekt „Stark durch den Tag“: „Die Kinderarmutsquote in der Weststadt liegt bei 40 Prozent, viele kommen ohne Frühstück in die Schule“, sagte Thomas Lutz von der Diakonie. Dem soll deren Projekt in Kooperation mit der Osterfeld-Grundschule entgegenwirken. Dazu gehören Schulfrühstück, Erzählcafé, Mittagessen, Lern- und Sprachförderung.

Konflikttraining in der Au: „Wenn du mich schlägst, dann schlag ich dich auch.“ Dieser Satz fiel im diesjährigen Ferienprogramm des Familienzentrums Au immer wieder. Für Fachkräfte ist er ein Warnsignal. Daher wird es nun für gefährdete Kinder in der Au ein Konflikttraining geben.

Hilfe für Achtklässlerinnen aus sozial schwachen Schichten: Den Mädchen aus Familien mit sehr traditionellen Rollenbildern widmet sich dieses Projekt der Lilith-Beratungsstelle. Diese Mädchen haben wenig Selbstvertrauen, wenig gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten und auch wenig Zukunftsperspektiven. Statt zu lernen, müssen sie sich oft um den Haushalt und um Geschwister kümmern. Durch Gruppenangebote für Achtklässlerinnen einer Werkrealschule in einem Problemviertel soll dies geändert werden.

Schaukel, Seilparcour und Spinnennetz für die Niefernburg: In der sozialpädagogischen Einrichtung werden 12- bis 19-jährige straffällig gewordene Mädchen zurück ins Leben geführt.

Ihre Probleme äußern sich beispielsweise in aggressivem Verhalten, Weglauftendenzen und auch Alkohol- und Drogenmissbrauch. Mit den Neuanschaffungen sollen sie lernen, Bewegungen zu koordinieren, ein positives Körpergefühl entwickeln und auch ihre oft traurige Kindheit nachholen.

Holzhütte für den Sperlingshof: In dem Kinderheim für Jungs gibt es einen Heimrat, in den jede Gruppe einen Vertreter entsendet. Dieser muss bisher im Keller tagen. Hierzu sowie für weitere Veranstaltungen soll er künftig eine neue Hütte nutzen können. Den Vorteil einer solchen Hilfe, bei es auch auf die Eigenverantwortung der Jugendlichen ankommen wird, beschrieb Wolfgang Schwaab, der Leiter des Jugendamts des Enzkreises: „Wenn es gelingt, dass sich die Kinder selbst beteiligen und nicht alles fremdbestimmt wird, ist der Effekt der Hilfe größer.“