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Symbolbild: Fünf Töchter von Freunden und Bekannten soll ein 44 Jahre alter Mann in Stuttgart missbraucht haben.
Symbolbild: Fünf Töchter von Freunden und Bekannten soll ein 44 Jahre alter Mann in Stuttgart missbraucht haben. © Symbolbild: dpa
08.07.2013

Prozess: Haft für Missbrauch der eigenen Töchter

Pforzheim. Wegen des sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter in rund 100 Fällen sowie seiner leiblichen Tochter in zwei Fällen wurde ein 31 Jahre alter Mann aus Pforzheim vor der Großen Auswärtigen Strafkammer zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Das Martyrium seiner Stieftochter begann wohl im Sommer 2004.

Zu diesem Zeitpunkt war das Mädchen 9 Jahre alt. Der sexuelle Missbrauch zog sich dann über 8 Jahre hin und wurde im Laufe der Zeit immer massiver. Am Ende schwängerte der Angeklagte Christian W. (Name geändert) seine Stieftochter und soll sich sogar ausgemalt haben mit ihr und dem Kind, das Anfang dieses Jahres auf die Welt kam, in einer Beziehung zu leben. Anwalt Bastian Meyer, der die junge Frau als Nebenklägerin vertrat, betonte in seinem Plädoyer, dass seine Mandantin mit dem sexuellen Missbrauch durch den Stiefvater quasi groß geworden sei.

Aber auch an einer seiner beiden leiblichen Töchter hatte sich der Angeklagte zweimal vergriffen, als diese 8 Jahre alt war. Einmal 2010 in der gemeinsamen Wohnung in Pforzheim und dann noch einmal als er wenig später mit ihr allein in einem Ferienhaus weilte. Im zweiten Fall versuchte er das ahnungslose Kind brutal zu vergewaltigen, was allerdings daran scheiterte, dass sich das Mädchen massiv wehrte und um Hilfe schrie. Besonders seine leibliche Tochter leide sehr unter den Taten, so die Mutter der Kinder und ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten im Zeugenstand. Das Kind sei sehr auf ihn fixiert gewesen.

Dass die Strafe nicht noch höher ausgefallen ist, verdankt Christian W. allein der Tatsache, dass er von Beginn der Ermittlungen an geständig war und den beiden Opfern eine erneute Aussage vor Gericht ersparte.

Angezeigt wurde Christian W. erst um Weihnachten 2012 herum, als klar wurde, dass er der Vater des Kindes der Stieftochter sein muss. Seit Januar dieses Jahres saß der Mann deshalb in Untersuchungshaft. Derart konsequent – also indem sie einfach zur Polizei ging und Anzeige erstattete – verhielt sich die Mutter, als sie ihren Lebensgefährtin 2003 bei dem ersten Übergriff auf ihre Tochter in der Dusche überraschte, leider nicht.

„Die beiden Mädchen werden an diesen Taten ein Leben lang zu tragen haben“, machte Nebenklägerin Katrin Haible in ihrem Plädoyer klar. Dem Strafmaß von siebeneinhalb Jahren, welches Oberstaatsanwältin Gabriele Gugau in ihrem Plädoyer gefordert hatte, schloss sich Haible ebenso an wie ihr Kollege Meyer. Der Anwalt von Christian W., Mathias Bürckle forderte als Bonus für die Kooperation und das frühe Geständnis seines Mandanten eine Strafe, die 5 Jahre nicht überschreiten sollte.

Am Ende wurde der Pforzheimer zu 6 Jahren und 9 Monaten verurteilt. Dass die Strafe etwas niedriger ausfalle, als die Staatsanwältin gefordert habe, solle unterstreichen, dass die Kammer Geständnisse besonders honoriere, so der Vorsitzende Richter Peter Stier in seiner Urteilsbegründung.

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