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17.11.2015

Prozess: Mit 104 Messerstichen im Wahn die Nachbarin getötet

Pforzheim/Karlsruhe. Die Schritte unsicher, die Hände in Handschellen, die Haare raspelkurz – so wird Claudio G. (Name geändert) von zwei Mitarbeitern des Zentrums für Psychiatrie in Zimmer 125 des Landgerichts Karlsruhe geführt, ein Ausweichquartier der Schwurgerichtskammer, wenn der sonst den Kapitalverbrechen vorbehaltene Sitzungssaal anderweitig besetzt ist.

„Niemand will ihnen etwas Böses“, sagt Michael Schilpp, Strafverteidiger aus Pforzheim, zu dem 23-Jährigen. Der in Sizilien geborene und mit acht Jahren nach Deutschland gekommene Mann macht einen leicht benebelten Eindruck, der Vorsitzende Richter Leonhard Schmidt hat bisweilen Mühe, die genuschelten Aussagen akustisch zu verstehen. „Haben Sie heute ihre Psychopharmaka genommen?“, fragt Schmidt. Claudio G. nickt. Es sind chemische Helfer, um seine paranoide Schizophrenie in Schach zu halten, seinen Verfolgungswahn, seine Bewusstseinsspaltung zu dämpfen.

Im Wahn, so diagnostizierte der psychiatrische Sachverständige in seinem schriftlichen Gutachten, hatte G. am 17. Mai dieses Jahres in einem Mehrfamilienhaus an der Berliner Straße seine Nachbarin umgebracht – ohne ein Mörder zu sein. Denn Claudio G. sei zum Tatzeitpunkt schuldunfähig gewesen. Es geht also nicht um Gefängnis – sondern die um Einweisung in eine geschlossene Psychiatrie.

Noch bleibt offen, weshalb er in jener Nacht im ersten Obergeschoss die Wohnungstür seiner Nachbarin Corinna H. eingetreten und die völlig überraschte 54-Jährige gewürgt haben soll. Der mutmaßliche Täter stürzte in die Küche – doch bevor er mit einem Messer mit 18 Zentimeter langer Klinge zurückkam, konnte sein Opfer noch einen Notruf absetzen und schwer verletzt um Hilfe schreien. Dann stach Claudio G. zu. 104-mal, so Oberstaatsanwältin Gabi Gugau in ihrer Anklageschrift.

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