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Endstation Crash: Ein Taxi-Räuber, der statt Bargeld zu stehlen lieber das Fahrzeug entwendete, kam nicht sehr weit. Nach einem Unfall in der Pforzheimer Südstadt ließ er das Taxi stehen und flüchtete zu Fuß.
Endstation Crash: Ein Taxi-Räuber, der statt Bargeld zu stehlen lieber das Fahrzeug entwendete, kam nicht sehr weit. Nach einem Unfall in der Pforzheimer Südstadt ließ er das Taxi stehen und flüchtete zu Fuß. © Fox
18.11.2015

Prozess: Sauftour artet in Taxiraub mit anschließendem Unfall aus

So recht erinnern kann sich Stefan H. (Name geändert) an den 8. Juni dieses Jahres nicht mehr. Irgendwann zwischen vier und fünf Uhr am Nachmittag hat er wohl mit einem Bekannten in Stuttgart begonnen, zu trinken. Aber schon das wird vor der Großen Auswärtigen Strafkammer des Jugendgerichts beim ersten Verhandlungstag dieses Falls nur dank der Aussage eben jenes Bekannten klar. Und auch dessen Erinnerungsvermögen an diesen Tag ist eher vom Alkohol verwaschen als von Genauigkeit geprägt. Fakt ist: Stefan H. hatte später einen Taxifahrer bedroht, dessen Taxi entwendet und damit einen Unfall gebaut. Jetzt steht er deswegen vor Gericht.

Der zum Tatzeitpunkt 20-Jährige kann sich nur noch an einzelne Teile dieses Abends erinnern. Dass er beispielsweise gegen 1.50 Uhr auf die Idee kommt, am Pforzheimer Hauptbahnhof ein Taxi zu stehlen, um damit nach Hause zu fahren, weil um diese Uhrzeit kein Zug zurück nach Stuttgart geht. Dass die beiden einzig nach Pforzheim gefahren waren, um bei Stefans Eltern Geld zu holen, um ihre Trinktour, wie es der Kumpel nennt, fortsetzen zu können, das weiß Stefan nicht mehr. Dass er dem Taxifahrer mehrfach gedroht haben soll, ihn umzubringen, und er versucht haben soll, ihn zu schlagen, auch das hat der Alkohol aus Stefans Gedächtnis gespült.

„Ich brauch’ das jetzt“, so der Taxifahrer in seiner Aussage, habe der offensichtlich neben sich stehende junge Mann gesagt und sei mit quietschenden Reifen den Schloßberg hinuntergefahren. Einen Führerschein besitzt Stefan H. nicht.

Geparkte Autos gerammt

Seine Erinnerungen setzen erst in der Tiergartenstraße wieder ein, wo er irgendwie auf die linke Seite gekommen sei. Das Auto dreht sich, rammt zwei geparkte Fahrzeuge, die Airbags im Taxi werden ausgelöst, Stefan erleidet eine Platzwunde am Kopf, verletzt sich die Hand. Trotzdem läuft er, wie er auf Nachfrage des Staatsanwalts angibt, gemütlich zu seinen in der Nähe lebenden Eltern. Das Taxi lässt er einfach stehen. Große Nachfragen über den Zustand des Sohnes soll der Vater nicht gestellt haben. Die Mutter wäscht das blutverschmierte Oberteil des Sohnes. Der fährt am nächsten Morgen gegen 10 Uhr zurück in die Landeshauptstadt, ruft seine Bewährungshelferin an. Am Abend stellt sich Stefan H. der Stuttgarter Polizei.

Räuberisch und gefährlich

Zurück bleiben neben jeder Menge Erinnerungslücken ein psychologisch stark angeschlagener Taxifahrer, drei Wagen mit Totalschaden und eine Anklageschrift, in der sich räuberischer Angriff, versuchte Körperverletzung, Flucht vom Unfallort, Sachbeschädigung, Gefährdung des Straßenverkehrs und Fahren ohne Fahrerlaubnis unter erheblichem Alkoholeinfluss aneinanderreihen. Stefans Gedächtnis rüttelt freilich auch das nicht mehr wach, zu viele Liter Wodka sind schon seine Kehle herab geflossen. Die Gerichtspsychologin sagt, neben einer Lernbehinderung liege eine starke Alkoholsucht vor. Weil die Angaben, wer an diesem Tag was getrunken habe, immer wieder variieren, nimmt sie an, dass Stefan zwischen etwa 16 und 2 Uhr sechs Weizenbiere, sechs Pils und sechs Schnäpse getrunken habe. Minimum 1,3 Promille, vielleicht auch 2,35 Promille hätte er dann gehabt. Damit sei seine Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen, aber dennoch sei er schuldfähig. Sie empfiehlt am Ende des ersten Verhandlungstags für Stefan einen zweijährigen Maßregelvollzug mit entsprechender Therapie.

Der Prozess wird kommenden Mittwoch fortgesetzt.

Hier lesen Sie den Artikel über das Geschehen in der Tatnacht: Chauffeur bedroht und mit geraubtem Taxi auf geparkte Autos gekracht