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Symbolbild: dpa
Symbolbild: dpa
12.09.2017

Prozess gegen Heroinbande verzögert sich

Pforzheim. Auch am zweiten Verhandlungstag gegen fünf Angeklagte wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung, Menschenraubs sowie gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise Beihilfe dazu, kam es erneut zu Verzögerungen. Weil die fünfte Angeklagte – die einzige, die sich noch auf freiem Fuß befindet – wie am ersten Verhandlungstag ganz erheblich verspätet auftauchte, ordnete das Gericht gegen sie eine dreitägige Ordnungshaft an. Der mit zwei Verhandlungstagen angesetzte Prozess vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe muss nun am Freitag fortgesetzt werden.

Im Verlauf verlas der Verteidiger der Angeklagten Natalie B. (alle Namen geändert) eine von ihr verfasste Erklärung. Die 30-Jährige, die wie ihre männlichen Mitangeklagten unter anderem kokain- und heroinsüchtig ist, beteuerte darin, dass sie niemals eine Liebesbeziehung mit dem Opfer Benjamin H. gehabt habe. Zudem sei er ein stadtbekannter Kokaindealer, strecke die Droge und habe zahlreiche Feinde überall. Im weiteren Verlauf des Schreibens suggerierte sie, dass H. sie zum einen gezwungen habe, Drogen zu verkaufen, ihr zuvor geschenktes Kokain schließlich als Schulden angerechnet und zum anderen, dass dieser sie vergewaltigt habe.

Sie würde sich nicht wiedererkennen, schäme sich sehr für das Video und wolle von allem weg – inklusive ihres Verlobten. Dieser – ebenfalls heroinabhängig – sitzt auch auf der Anklagebank und war vergangene Woche noch Teil eines Zukunftsplans, der beinhaltete, die beiden entzogenen Kinder zu sich zurück zu holen.

Aussagen eines Kriminalbeamten zufolge war Benjamin H. aber noch nie im Zusammenhang mit Drogen bei der Polizei in Erscheinung getreten. Die Verlesung der Auszüge aus dem Bundeszentralregister, die einige Zeit in Anspruch nahm, verdeutlichte, dass mehrfach einschlägige Vergehen bei allen drei Männern verzeichnet sind. Zwölf, 19 und 21 Einträge wiesen diese auf, darunter bei allen gefährliche Körperverletzung.

Anfang März soll Natalie B. ihren Exfreund unter dem Vorwand, ihm Schulden zurückzahlen zu wollen, in ihre Wohnung in Pforzheim gelockt haben. Dort seien die drei angeklagten Männer über ihn hergefallen und hätten ihn mit einer Eisenkette geschlagen und getreten, bis er in eine Fensterscheibe stürzte, wobei er sich schwerste Verletzungen am Arm zuzog. Der Prügelei folgten Demütigungen, die B. filmte, bevor er unter Vorhaltung einer Gaspistole dazu gezwungen wurde, zwei Schuldscheine zu schreiben und später blutend durch die Stadt zu laufen, um an einem Geldautomaten seine Bankkarte samt PIN abzugeben. Dem wohl mehr als einer Stunde andauernden Gewaltakt folgten eine Nacht auf der Intensivstation, ein einwöchiger Krankenhausaufenthalt und psychische Folgen für das Opfer.