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Auch Baseballschläger wurden von der Polizei beschlagnahmt.
Auch Baseballschläger wurden von der Polizei beschlagnahmt. © Symbolbild: dpa
12.04.2019

Prozess gegen Schläger: Vernehmung des Opfers wenig Erhellendes

Pforzheim. Dafür, dass zwei der drei Angeklagten bereits in Haft sitzen, ist es am Freitag bei der Verhandlung vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Karlsruhe im Publikum mitunter recht lustig zugegangen. „Vielleicht ist nicht allen Anwesenden klar, um welche Rechtsfolgen es hier geht“, wandte sich der Vorsitzende Richter Andreas Heidrich an Freunde und Verwandte in Saal 1 des Amtsgerichts. „Mir wäre da nicht zum Lachen zumute.“ Zumal sich an der Inhaftierung vorerst auch nichts ändern dürfte.

Den Antrag des Verteidigers Kristian Frank, den Haftbefehl gegen seinen Mandanten Goran T. (alle Namen geändert) aufzuheben, wies Staatsanwalt Bernhard Ebinger jedenfalls entschieden zurück. Es bestehe weiter dringender Tatverdacht.

Dem Trio wird vorgeworfen, am 27. Oktober 2018 versucht zu haben, gewaltsam bei Timo F. Schulden aus Drogengeschäften einzutreiben. So soll Julian K. (17 Jahre) – er steht wegen Beihilfe vor Gericht – den Geschädigten vor eine Diskothek gelockt haben, wo dieser in ein Auto gedrängt und in einem Waldstück von Karim N. (19) und Goran T. mit einem Baseballschläger zusammengeschlagen worden sein soll. Letztere beiden müssen sich wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Lückenhafte Aussagen

Gestartet war der zweite Verhandlungstag mit der Vernehmung des Geschädigten, der als Nebenkläger auftritt. Diese gestaltete sich jedoch äußerst zäh. Auch nachdem die Mikrofone im Saal zum Laufen gebracht worden waren, kamen von seinen Aussagen teils nur Bruchstücke bei den Prozessbeteiligten an. „Es hilft beim Sprechen, wenn man den Mund aufmacht“, so Heidrich. Hinzu kam, dass der 19-Jährige sich nur lückenhaft an den Tathergang erinnern will. So war zwar auch bei ihm von einem zweiten Fahrzeug die Rede, gesehen habe er dieses aber nicht. Auch die Frage nach der konkreten Zahl der Anwesenden und dem genauen Tatort blieb unklar. Er habe recht früh „ein mulmiges Gefühl“ gehabt, so F. Die Schulden für drei Marihuana-Lieferungen bezifferte er auf 700 Euro. Bezahlt habe er bis heute nicht.

Nachdem N.s Verteidiger Markus Schwab anfing, auf Details herumzureiten, wollte der Zeuge zunächst keine weiteren Fragen beantworten. Laut Arztbericht trug dieser neben Prellungen auch eine Gesichtsverletzung davon. „Ich möchte mich entschuldigen für die Sachen, die passiert sind“, sagte der Angeklagte Julian K. schließlich zum Geschädigten.

Nach eigenen Angaben leidet Timo F. noch heute unter den Folgen des Angriffs. „Ich gehe kaum noch auf die Straße“, so der 19-Jährige. Dass die Familie bedroht worden sei, konnte auch die Mutter des Opfers, die ebenfalls als Zeugin geladen war, bezeugen. So erinnerte sie sich an einen Abend, an dem jemand mit Waffe vor ihrer Tür stand. Damals lebte Timo F. noch bei ihr. Die beiden Angeklagten Karim N. und Goran T. kenne sie, diese hätten ihren Sohn öfter besucht. Sie war es am Tatabend auch, die schließlich die Polizei und den Notarzt rief, als ihr Sohn verletzt nach Hause kam. Die Verhandlung wird am Freitag, 26. April, fortgesetzt.