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03.11.2009

Psychiatrie statt Knast für den Brandstifter?

PFORZHEIM. Richter Hermann Meyer hat seit einigen Tagen interessante Lektüre durchzuarbeiten. Es geht um die Brandserie im Hochsommer, die keine natürliche Ursache hatte. Jemand hatte kräftig nachgeholfen. Der Schrecken war umgegangen in der Nordstadt und in Eutingen. Der Jemand soll ein 49-Jähriger aus Birkenfeld sein, der seit dem 11. August in Untersuchungshaft sitzt.

Bildergalerie: Feuer in der Eutinger Gartenstadt

Bildergalerie: Brand am Oberen Wingertweg

Auf dem Hohenasperg wurde er auf Antrag der Staatsanwaltschaft von einem psychiatrischen Sachverständigen begutachtet. Und der Experte kam zu dem Schluss: Bernhard S. (Name geändert) sei im Sinne des Strafgesetzbuchs schuldunfähig, und er sei gefährlich. Deshalb befürwortet der Gutachter die Unterbringung. Entsprechend hat die Staatsanwaltschaft eine „Antragsschrift im Unterbringungsverfahren“ auf den Weg gebracht – zu deutsch: Man will ihn nicht ins Gefängnis stecken, sondern in die Psychiatrie.

Entscheiden muss darüber die Auswärtige Große Strafkammer des Landgerichts. Und der Vorsitzende Richter ist Hermann Meyer. „Bis Ende des Jahres ist die Kammer austerminiert“, sagt er auf Anfrage. Zu einem Prozess werde es – vorausgesetzt, die Kammer lasse den Antrag zu – also erst im nächsten Jahr kommen. Das Gutachten war jedoch nur ein Puzzlestein im Mosaik.

Hinzu kam, dass Bernhard S. zugab, beispielsweise das unverschlossene Motorrad an der Grashofallee geklaut zu haben und damit lautlos quer durch die Nordstadt bergab gerollt zu sein. An der Gymnasiumstraße habe er es abgelegt – und dann habe es Feuer gefangen. Außerdem fanden sich DNA-Spuren am Brandherd Oberer Wingertweg.

Das war der Auftakt zu einer Serie mit insgesamt elf Bränden, bei denen ein Gesamtschaden von rund 170.000 Euro entstand. Nach PZ-Informationen belastet die Auswertung des „genetischen Fingerabdrucks“ S. stark. Hinzu kommen Aussagen von Zeugen, die S. an mindestens einem Tatort gesehen haben wollen.