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25.12.2009

"Putzfrau (groß und fett)" - Pannen-Revue in 60 Jahren PZ

PFORZHEIM. Ein Jahr lang feiert die PZ ihren 60. Geburtstag. Wir blicken zurück, wir blicken nach vorn – und wir stehen zu unseren Pannen. Denn obwohl viele Menschen unter Hochdruck an einem Produkt arbeiten, geht zwar meistens alles gut. Aber eben nur meistens. Manchmal geht auch etwas schief. Und wenn bei einer Zeitung etwas schief geht, wissen das die Leser spätestens am nächsten Morgen. Oder in Jubiläumsjahren.

Wenn man bedenkt, dass in 60 Jahren rund 18.000 Ausgaben produziert und eine halbe Million an Zeitungsseiten bedruckt wurden, ging dann doch erstaunlich wenig daneben. So wurde die PZ jeden Tag ausgeliefert. Es gab immer wieder technische Probleme, die ein Erscheinen der Zeitung zu verhindern drohten, aber am Ende hatte die Leser immer ihre PZ im Briefkasten.

So wie im Jahr 1999. Die neue Rotationsmaschine lief erst seit wenigen Wochen, dann gab es nachts eine massive Störung. Normalerweise wird abends gegen 23 Uhr mit dem Druck begonnen, in dieser Nacht verließen die ersten Zeitungen erst um 5 Uhr die Maschine. Viele Briefkästen und Zeitungsboxen blieben am Morgen leer.

An diesem Tage standen in der PZ die Telefone nicht still. Abends hatten wir das Gefühl, jeder einzelne Leser der mehr als 40.000 Abonnenten habe angerufen. Aber wichtig war: jeder Leser hat seine Zeitung bekommen, entweder noch am Abend des gleichen Tages oder am nächsten Morgen.

Wie viele Millionen Meldungen und Artikel in der PZ-Redaktion in den vergangenen 60 Jahren bearbeitet wurden, vermag niemand zu sagen. Keine Frage, dass nicht immer alles glatt lief. Zu Zeiten des Kalten Krieges im vergangenen Jahrhundert sorgten die Staatsmänner der UdSSR für Verwicklungen. Das Ableben von Josif W. Dschugaschwili zum Beispiel, besser bekannt als Stalin. Als der russische Staatschef im Jahr 1953 starb, titelte die PZ: „Stalin ist Tod“. Der Spott in Kollegenkreisen war den PZ-Redakteuren in der Folge gewiss. Einen Anschiss vom damaligen Verleger gab es allerdings nicht. Denn der hatte die Überschrift genau in dieser Diktion persönlich in Auftrag gegeben.

Einige Jahre später stand dann Alexei Nikolajewitsch Kossygin, der Ministerpräsident der Sowjetunion, im Mittelpunkt. Da wollte ein PZ-Redakteur seinen Kollegen zum 1. April foppen und manipulierte den Fernschreiber der Deutschen Presseagentur in der Redaktion so, dass dieses Gerät die Meldung „Kossygin ist tot“ ausspuckte, obwohl der russische Ministerpräsident zwar schwer krank war, aber noch unter den Lebenden weilte. Pech für den Scherzbold in der PZ-Redaktion: Tags zuvor war ein Wartungstrupp der Post am PZ-Fernschreiber zugange und hatte das Gerät falsch eingestellt. Die Meldung lief deshalb nicht nur – wie geplant – in der PZ über den Ticker, sondern auch bei anderen dpa-Kunden. So schaffte es Kossygins Ableben sogar in die Rundfunknachrichten.

Der Schabernack sorgte natürlich für jede Menge Ärger. Der dpa-Chefredakteur reiste am nächsten Tag eigens von Hamburg an, um wutentbrannt bei der PZ vorzusprechen. Als der verantwortliche PZ-Redakteur tags darauf zur Arbeit erschien, wurde er schon vor dem Gebäude von einem Kollegen mit den Worten empfangen: „Geh nur gleich rein. Drinnen sitzt der dpa-Chef und fordert deine Entlassung. Und der Verleger will Dir den Hals umdrehen.“ Der Hals blieb am Ende heil und seinen Job durfte der Spaßvogel auch behalten.

Druckfehler sind der tägliche Feind des Redakteurs. Druckfehler gibt es aber nicht nur in Artikeln. Gleich zweimal wurden in Todesanzeigen Beerdigungen „auf dem Hauptbahnhof“ angekündigt.

Deutlich lustiger war die Werbung eines Textilhauses, in der Betttücher und Taschentücher angepriesen wurden. Das Wort Betttücher stand zunächst groß und fett zu lesen, und der Setzer hatte nun die schriftliche Anweisung, das Wort Taschentücher in gleicher Größe zu setzen. Tags darauf aber stand in der Anzeige: „Taschentücher, groß wie Betttücher“.

Ähnlich schief ging ein Inserat, in dem eine Putzfrau gesucht wurde. Der Hinweis in Klammer galt für die Schriftgröße des Wortes Putzfrau. In der Zeitung aber stand wörtlich: „Putzfrau (groß und fett) gesucht.“