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Vor der Polizeiabsperrung am Wartberg zünden linke Gegendemonstranten Pyrotechnik.  Meyer
Vor der Polizeiabsperrung am Wartberg zünden linke Gegendemonstranten Pyrotechnik. Meyer
30.09.2016

Pyrotechnik, Schneebälle – und ein kleiner Kessel

Keine Verletzten, keine Festnahmen – es sei bislang ein „friedlicher Protest“ und damit ein „guter Einsatzverlauf“ gewesen, zog der Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Karlsruhe, Martin Plate, nach dem Versammlungsende das Fazit des Einsatzes rund um den Wartberg. Dort hatten gestern wieder Mitglieder des linken Bündnisses „nichtlangefackeln“ die Fackel-„Mahnwache“ des rechtsextremen „Freundeskreises Ein Herz für Deutschland“ (FHD) zu stören versucht. Deswegen waren auf dem Wartberg die meisten der insgesamt rund 900 Polizisten im Einsatz, um etwa 250 Linke und 89 Rechte voneinander getrennt zu halten. 2015 waren es 1300 Beamte, 70 Neo-Nazis und 350 Antifaschisten gewesen.

Rufe und Pfiffe gegen Rechts

Gegen 17 Uhr waren die Rechten angereist und hatten sich auf dem Parkplatz der Firma Amazon versammelt. Diese verständigte daraufhin die Polizei. „Amazon würde auf keinen Fall die Nutzung des firmeneigenen Parkplatzes für diesen Zweck zulassen“, lässt der Versandhändler verlauten. Als die Polizei eintraf, hatte sich die Versammlung bereits aufgelöst. In ihren Wagen warteten die Rechtsextremen am Aussichtspunkt des Wartbergs die restlichen Stunden bis zur Fackel-„Mahnwache“ ab.

Währenddessen trafen sich um 18 Uhr am Hauptbahnhof laut Polizei rund 120 Antifaschisten. Nach einer kurzen Ansprache zogen sie über die Nordstadtbrücke, Hohenzollernstraße und Heinrich-Wieland-Allee mit einer angemeldeten Demonstration zum „Café Hasenmayer“. „Refugees are welcome here“, „Nazis Vertreiben, Flüchtlinge bleiben“ und der Ruf nach internationaler Solidarität hallten durch die Straßen, begleitet von neugierigen Blicken zahlreicher Anwohner – und den roten Rauchschwaden der ersten gezündeten Bengalos. Zu der angemeldeten Kundgebung am Fuß des Wartbergs kam es nie. Um 19 Uhr rannten die mittlerweile mehr als 200 Antifaschisten los. Über Kreuzsteinallee, Oberen Wingertweg und Wiflinger Steig versuchten sie den Ort der „Mahnwache“ zu erreichen. Doch auf der Wartbergallee war Schluss. Die Polizei hatte Absperrgitter angebracht. Neben den Beamten waren vor Ort auch Hunde und ein Wasserwerfer stationiert. Den Antifaschisten blieb nichts weiter übrig, als die „Mahnwache“ der Neo-Nazis mit Rufen und Pfiffen zu stören. In Richtung der Polizei flogen vereinzelt Böller und zahlreiche Schneebälle. Die Beamten machten über Lautsprecher auf das Vermummungs- und Pyotechnikverbot aufmerksam, kündigten an, Personen, die sich darüber hinwegsetzen, von der Versammlung auszuschließen und ermahnten die Demonstranten über Twitter: „Seid doch vernünftig.“

Zu einer kurzen Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei kam es auf dem Weg zum Bahnhof. Zuerst errichteten die Linken – noch auf dem Wartberg – eine Barriere aus Bauzäunen, die sie mit Ziegelsteinen beschwerten. Nachdem sie sich dort zurückzogen und gen Bahnhof liefen, setzte die Polizei auf der Brettener Straße (Bushaltestelle Oberer Wingertweg) für 20 Minuten rund 100 Linke fest, da diese sich vermummt und erneut mit Pyrotechnik geworfen hätten.

In einer friedlichen Spontandemo zogen die Antifaschisten schließlich zum Bahnhof.

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