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Ungeklärt bis heute ist der Tod der Schülerin Manuela R. aus Pfinzweiler. Die Leiche der damals 15-Jährigen wurde im Juli 1995 in einem Waldstück zwischen Darmsbach und Langensteinbach gefunden.
Ungeklärt bis heute ist der Tod der Schülerin Manuela R. aus Pfinzweiler. Die Leiche der damals 15-Jährigen wurde im Juli 1995 in einem Waldstück zwischen Darmsbach und Langensteinbach gefunden. © PZ-Archiv
17.06.2010

Quälende Ungewissheit: Ungelöste Morde in Pforzheim

PFORZHEIM.  Fast jeder Mord wird aufgeklärt. Theoretisch. Das ist für die kein Trost, die immer noch darauf warten, dass die Polizei den Mörder ihrer Liebsten findet. Wie im Fall Maria Bögerl – man kennt das auch in Pforzheim.

Ein Tonbandmitschnitt, DNA-Spuren, Hinweise aus der Bevölkerung, vielleicht andere Details, die aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nach außen dringen – auch wenn es taktische Pannen bei der Lösegeld-Übergabe gegeben haben sollte: Die Heidenheimer Polizei arbeitet mit Hochdruck daran, den Mörder der entführten und später tot aufgefunden Bankiersgattin Maria Bögerl zu finden. Noch gibt es eine Sonderkommission. Doch wie lange? In vielleicht gar nicht allzu langer Zeit wird die für diesen speziellen Fall zusammengewürfelte Einheit aufgelöst; die Akte landet im „normalen“ Morddezernat.

Keiner weiß das in Pforzheim besser als der „Jäger der flüchtigen Spuren“, wie die PZ den Ersten Kriminalhauptkommissar Hans Jäger in einer Dokumentation im Jahr 2003 über ungeklärte Morde in Pforzheim und dem Enzkreis nannte. Jäger ist Chef der Kriminalinspektion I und war bis zur Reorganisation der Polizei seit 1982 Chef des Morddezernats bei der Kripo.

Josip M., Turan R., Georg K., Manuela R. – die Namen kennt jeder erfahrene Kriminalbeamte in Pforzheim im Schlaf. Jedes Opfer steht für einen unaufgeklärten Mord. Oder Fjoula S. – ein vierjähriges Mädchen, das vermisst und skelettiert aufgefunden wurde: War es Mord? Das konnte nie geklärt werden. Oder Liane W., elf Jahre alt: Gefunden wurde von dem im September 1974 vermisst gemeldeten Kind aus Ellmendingen nur das Fahrrad, niemals seine Leiche.

Jäger sprach gegenüber der PZ in einem Interview 1999 über die Fälle aus der Region von der „schwersten Prüfung für Eltern überhaupt, am Grab ihrer Kinder zu stehen“ – aber noch schlimmer sei, „wenn noch nicht einmal ein Grab da ist oder ein Leichnam und man als Angehöriger auch nach Jahrzehnten noch Hoffnung hat“. Das sei „kein Zustand, mit dem man sich abfinden kann“. Daran halte er fest. Fälle außerhalb seines Zuständigkeitsbereiches mag er nicht kommentieren.

Die quälende Ungewissheit erleben auch die Eltern von Tanja G. in Trier. Fast genau drei Jahre ist es her, dass die damals 21-jährige Studentin nach einer Fete an der dortigen Fachhochschule spurlos verschwand. „Spiegel Online“ zitierte jüngst in einem Artikel über den damaligen, mittlerweile pensionierten Kommissariatsleiter Bernd Michels die Mutter der Studentin: „Es ist, als hätte sich die Erde aufgetan und Tanja einfach verschluckt.“

Was nützt es den Angehörigen, wenn sie aus der Statistik erfahren, dass knapp 98 Prozent aller Morde aufgeklärt werden – so viel wie bei keinem anderen Verbrechen? In den Schränken der Kripo lagern die Akten, die nie weggeworfen werden – zum einen deshalb, weil Mord nie verjährt. Und zum anderen, weil die kriminaltechnischen Untersuchungsmethoden immer besser werden. Bestes Beispiel: der „genetische Fingerabdruck“.

Wird es gelingen, den Mörder des kroatischen Arbeiters Josip M. – umgebracht im Juli 1981 in Pforzheim – zu finden? Oder den Täter, der den Huchenfelder Unternehmer Georg K. im Januar 1973 erschoss? Oder findet man eine Spur im Fall der 15-Jährigen Manuela R. aus Pfinz-weiler, die im Juli 1995 ermordet aufgefunden wurde? Jägers Trierer Kollege Bernd Michels macht seine Hoffnung an einem Fall fest, der zu dessen ersten gehörte: die Vergewaltigung einer Frau aus den frühen 80er-Jahren, an deren Folgen sie beinahe gestorben wäre. Das Verbrechen wurde aufgeklärt – 17 Jahre später.