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2004 entstand dieses Familienfoto, das den Pforzheimer Zoran Vasic mit seinen Zwillingen zeigt. Viele Bilder dieser Art gibt es nicht, denn es dauert zuweilen Jahre, bis er trotz Sorgerecht seine Kinder in Greifswald an der Ostsee sehen darf.
2004 entstand dieses Familienfoto, das den Pforzheimer Zoran Vasic mit seinen Zwillingen zeigt. Viele Bilder dieser Art gibt es nicht, denn es dauert zuweilen Jahre, bis er trotz Sorgerecht seine Kinder in Greifswald an der Ostsee sehen darf. © Privat
11.06.2011

Quälendes Warten: Vater zweiter Klasse trotz erstklassigem Sorgerecht

Es braucht nicht viel, um Zoran Vasic glücklich zu machen. Ein Lächeln seiner Kinder genügt schon. Wenn er denn einmal seine neun Jahre alten Zwillinge lächeln sieht. Ende März war es wieder so weit. Davor allerdings hat der Pforzheimer sie dreieinhalb Jahre lang nicht sehen können – obwohl der von der im 950 Kilometer entfernten Greifswald lebenden Kindsmutter geschiedene Vasic kein Sorgerecht zweiter Klasse hat, obwohl Gerichte immer wieder das Besuchs- und Umgangsrecht angemahnt und auch mit Zwangsgeldern gedroht haben.

„Das ist schon ein extremer Fall“, wertete Dr. Rolf Gutmann im Sommer 2004. Der Stuttgarter Rechtsanwalt vertrat damals Zoran Vasic aus Pforzheim, Vater von einem Mädchen und einem Jungen, die am 21. Oktober ihren Geburtstag feiern werden – wahrscheinlich wieder einmal ohne ihren Vater. Dabei würde Vasic alles nur Erdenkliche ermöglichen, um persönlich ein Geschenk überreichen zu können. Oder wenigstens um den Kindern am Telefon ein Grußwort sagen zu dürfen. Doch von dieser einfachen Gratulation trennen ihn Welten.

Und das sind nicht nur die Distanz von 915 Kilometern zwischen Pforzheim und Greifswald. Ohne Gerichtsbeschlüsse und ohne fremde Hilfe hat Vasic keine Chance, seine Kinder zu sehen. Zuletzt, so Vasic, habe es der Hilfe der SPD-Bundestagsabgeordneten Katja Mast und ihrer Berliner Mitarbeiterin Anne Domnick, sowie der Unterstützung von Bernd Naumann von der Caritas bedurft, um seine beiden Kinder für vier Stunden in Greifswald sehen zu können. Und: Ohne die schnelle Unterstützung von Norbert Dimmler von der Arge Jobcenter Pforzheim, so lobt Vasic wäre es vielleicht Ende März gar nicht zu dem lang ersehnten Treffen gekommen: Der Pforzheimer ist arbeitslos und lebt von Hartz IV, hätte die „Fahrtkosten zur Wahrnehmung des Umgangsrechts“ gar nicht selbst bezahlen können.

Vier Stunden lang im Glück – beim Treffen vor wenigen Wochen waren die Zwillinge in der dritten Klasse. Sie hatten einiges zu erzählen, der aufgeschlossenere Junge mehr, das zurückhaltende Mädchen etwas weniger. Das letzte Mal davor hat Vasic die zwei gesehen, als sie auf die Einschulung warteten. Beim Treffen und Spielen mit den Kindern immer mit dabei: eine Aufsichtsperson. Immerhin sind die Kinder dann der Kontrolle der Mutter entzogen.

Das mit der Kontrolle bereitet Vasic Sorgen. Eben erst hat er Briefe der Kinder erhalten, in denen sie schreiben, dass ihr Vater doch von weiteren Besuchen absehen solle. Wortwahl, Schreibstil und Rechtschreibung muten so gar nicht kindgerecht, sondern eher erwachsen an. Für den enttäuschten Vater ist klar: Die wurden von der Mutter diktiert. Für Vasic nur ein neues Kapitel im Kampf um das Sorgerecht. Das hat ihm ein Gericht vor Jahren schon eingeräumt. Nur durchgesetzt wurden die Beschlüsse bislang äußerst ungenügend.

Aber der Vater will weiter für sein Umgangsrecht kämpfen. Er wünscht sich für alle anderen Väter mit Sorgerechtsproblemen einen Gesetzesentwurf, der vorsieht, dass bereits im Kindergarten und später in der Schule zum Beispiel Mitarbeiter vom Jugendamt mit den Kindern von getrennt lebenden Eltern darüber reden, dass es zwei Elternteile gibt, die sich um sie bemühen.

Alle vier bis sechs Wochen, so der verzweifelte Vater, könnte der Hartz-IV-Empfänger mit Unterstützung durch die Arge, die Fahrtkosten aufbringen. Doch der letzte Besuch bei seinen Kindern liegt schon fast drei Monate zurück. Und dann diese seltsamen Briefe. Noch einmal dreieinhalb Jahre warten will der Pforzheimer nicht. Aber ohne fremde Hilfe, ohne Gerichtsbeschlüsse, ohne Jugendamt wird es wohl nicht gehen.

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