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Die Tierheimleiterinnen Nadine Reisacher (links) und Linda Giek hoffen für ihre Schützlinge, dass auf der Wiese künftig eine Quarantäne-Station stehen wird.  Foto: Seibel
Die Tierheimleiterinnen Nadine Reisacher (links) und Linda Giek hoffen für ihre Schützlinge, dass auf der Wiese künftig eine Quarantäne-Station stehen wird. Foto: Seibel
So soll der Neubau am Eingang des Tierheim-Geländes aussehen, wenn er fertig ist. Am Rande des Sockelgeschosses finden zwölf Hundezwinger mit Außenbereich Platz. Foto: Geiger Architektur
So soll der Neubau am Eingang des Tierheim-Geländes aussehen, wenn er fertig ist. Am Rande des Sockelgeschosses finden zwölf Hundezwinger mit Außenbereich Platz. Foto: Geiger Architektur
Nicht sicher genug: Tiere mit Quarantäne-Status leben aktuell Tür an Tür mit gesunden Vierbeinern. Foto: Seibel
Nicht sicher genug: Tiere mit Quarantäne-Status leben aktuell Tür an Tür mit gesunden Vierbeinern. Foto: Seibel
26.07.2015

Quarantäne-Station: Tierheim-Neubau sorgt für Unmut bei Nachbarn

Seit Jahren denkt man im Pforzheimer Tierheim am Wartberg über den Bau einer Quarantäne-Einrichtung nach. Wie Tiere mit ungewissem Gesundheitszustand bislang dort untergebracht sind, birgt ein hohes Risiko der Ansteckung für gesunde Vierbeiner. Am Freitag hat der Träger der Einrichtung, der Tierschutzverein Pforzheim und Umgebung, das Baugesuch im Rathaus abgegeben. Gleichzeitig wird in der Nachbarschaft Unmut laut.

„Eigentlich haben wir hier keine Quarantäne“, sagt die Vereinsvorsitzende Julie Bordère – obwohl die Einrichtung Verträge mit Kreis und Stadt hat, dort gefundene oder beschlagnahmte Tiere aufzunehmen. Die Veterinärbehörden verordnen bei ungewissem Gesundheits- und Impfstatus eine Quarantäne. Die Isolierphase kann bis zu sechs Monaten dauern. In dieser Zeit werden die Neuankömmlinge zwar in getrennten Zwingern gehalten, eine richtige Abschottung ist aber weder vom übrigen Bestand noch von den Besuchern möglich. Die Lösung: ein Quarantäne-Neubau, auf einer Wiese im südwestlich gelegenen Eingangsbereich des Grundstücks.

Schleuse sorgt für Sicherheit

Auch der Leiter des städtischen Veterinärdienstes, Dr. Siegfried Rempfer, hält die Station für „zwingend und dringend notwendig“ mit Blick auf das Risiko der Ansteckung. „Im schlimmsten Fall kann das eine Welle geben, die über die Tierheimgrenzen hinaus geht“, sagt er. Auch Dr. Ulrich Dura, Leiter des Veterinäramts des Enzkreises, befürwortet das Vorhaben aus fachlicher Sicht.

370 Quadratmeter hätten das Tierheim auf zwei Ebenen im Neubau zur Verfügung. Im Sockelgeschoss sollen zwölf Hundezwinger, Wasch- und Futterküche sowie ein Behandlungsraum Platz finden. Im Erdgeschoss sind vier Zimmer für Kleintiere und zwei Zimmer für Katzen geplant, die jeweils Platz für 15 Quarantäneboxen bieten. Auch der Verwaltungs- und Empfangsbereich soll dorthin umziehen, ebenso wie ein Multifunktionsraum für Veranstaltungen oder Seminare. Die dadurch frei werdenden Räume im jetzigen Verwaltungstrakt sollen unter anderem zu einer Krankenstation umgewandelt werden. Auch zusätzliche Parkplätze sind geplant.

Rund 870.000 Euro soll der Bau kosten – ohne Inventar. 400.000 davon sind durch eine Erbschaft gedeckt, 100.000 hat eine Stiftung zugesagt. Alles Weitere soll über Spenden finanziert werden. Zudem hofft man auf Zuschüsse von Stadt und Enzkreis. Drei Jahre dürfen zwischen Baugenehmigung und Baubeginn liegen.

Alte Zwinger sollen weichen

Im hinteren Teil des Grundstücks soll eine marode Außenreihe mit 14 Zwingern abgerissen werden. Warum der Neubau nicht dort errichtet werden kann, fragen sich nun Anwohner. Sie sorgen sich um eine verlagerte Lärmbelastung hin zur Wohnbebauung. „Ich kenne niemanden in der Nachbarschaft, der das gutheißt“, sagt Bernd Katz. Einige hätten einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Der alte Standort sei von der Grundfläche her nicht geeignet, sagt Bordère. Zudem sei es nicht sinnvoll, mit potenziell kranken Tieren durch den gesamten Bestand hindurchzugehen, um zur Station zu gelangen. Tierheimleiterin Linda Giek verweist auf ein Gutachten, das besage, dass keine weiteren Maßnahmen zum Lärmschutz getroffen werden müssen. „Wenn es die Forderung der Nachbarn ist, um ihre Zustimmung zu erhalten, sind wir dennoch bereit, für Lärmschutzwände Sorge zu tragen“, sagt sie.

Katz prangert an, das Tierheim nehme nicht ausschließlich Tiere aus der Region auf. „Die Quarantänestation ist überdimensioniert“, sagt er. Dies wäre nicht nötig, wenn sich die Einrichtung auf ihre Kernaufgaben konzentriere. Bordère verweist darauf, dass die Zahl der Zwinger um zwei reduziert werde. „Unsere Priorität liegt auf Pforzheim und dem Enzkreis. Sollten wir dann noch Kapazitäten haben, helfen wir dort, wo es nötig ist“, fügt Giek an.

Tierheim und Verein hoffen nun auf eine Einigung mit der Nachbarschaft – und auch Katz lässt wissen: „Wir verweigern uns einem Neubau nicht vollkommen und bleiben gesprächsbereit – auch im Interesse der Tiere.“