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04.04.2008

Racheakt oder Schutzgeld? Feuer verwüstet Disco "Flash"

PFORZHEIM. Eigentlich hätte Freitagnacht im „Flash“ auf der Wilferdinger Höhe der Bär los sein sollen. Es kam nicht dazu, weil die Disco in den Morgenstunden ausbrannte. Die Kripo geht von Brandstiftung aus.

Die Polizeimeldung klingt dürr: Die Kripo habe die Ermittlungen wegen des Verdachts der Brandstiftung in der Discothek „Flash“ aufgenommen. Doch die Polizei geht sehr konkret davon aus, dass jemand nachgeholfen hat, bevor es zu brennen anfing – und zwar an mehreren Ecken gleichzeitig, was gegen eine natürliche Brandentwicklung spricht. Auch dass die Scheibe im Eingangsbereich an der Mannheimer Straße eingeschlagen und die Eingangstür aufgebrochen wurde, lässt nur auf Brandstiftung schließen. Nach PZ-Informationen wurde ein Stemmeisen eingesetzt.

Ein Anwohner hatte kurz nach 6 Uhr beobachtet, dass Rauch aus dem mehrstöckigen Gebäude drang, in dem sich bis vor wenigen Wochen noch die Zivilabteilungen des Pforzheimer Amtsgerichts befanden. Doch Brandherd war die Disco im Keller unter den Parkplätzen.

Zwei Stunden lang kämpften Berufs- und Freiwillige Feuerwehr – im Einsatz waren 40 Mann und neun Fahrzeuge – gegen die Flammen. Wegen der Rauchentwicklung und der mutmaßlich freigesetzten gesundheitsschädlichen polyzyklischen aromatisierten Kohlenwasserstoffe (PAK) mussten die Feuerwehrmänner Atemschutzgeräte benutzen. Kommandant Volker Velten ordnete die zweithöchste Alarmstufe aus. Acht Beamte der Schutz- und sieben Kollegen der Kriminalpolizei rückten an. Das Dezernat für Kapitalverbrechen nahm die Ermittlungen auf.

Noch hat die Polizei keine konkreten Hinweise auf den oder die Täter und erbittet telefonisch Hinweise unter (07231) 1860. Dragan Simic, mit seiner Frau Karin seit etwas über einem Jahr Betreiber der Disco, beziffert den Schaden auf mehrere Hunderttausend Euro.

Schutzgeld im Spiel?

Freitagnacht hätte es eine große Sause geben sollen: Angesagt war das Schweizer Verwandlungs-Festival „Private Fiction“. Techno und Electro hätten unter dem Motto „Punk's not dead“ die Stimmung zum Kochen gebracht. Am Samstagabend wäre Zeljko Joksimovic zu Gast gewesen, und am kommenden Freitag würde wieder eine "Russische Nacht" steigen – wie jeden zweiten Freitag im Monat.

Die Ermittler gehen mehreren Spuren nach. Dazu gehören unter anderem ein persönlicher Racheakt, aber auch eine mögliche Auseinandersetzung zwischen Türken und Albanern beziehungsweise Angehörigen von Balkanstaaten generell. „Vielleicht war auch nicht gezahltes Schutzgeld ein Grund“, so ein Insider.

Die Disco war 1991 – als Nobel-Schuppen mit Tonnen von portugiesischem Marmor – unter dem Namen „Quasar“ eröffnet worden. Gaststar war einst der Rocker David Hanselmann.