nach oben
Völlig demoliert wurde der Range Rover, auf den auf der A8 bei Pforzheim ein Mercedes AMG aufgefahren war. In dem Range Rover wurde ein Kleinkind so schwer verletzt, dass es kurz darauf im Krankenhaus starb. © Ketterl
Nach 160 Metern Schleudertour auf der A8 landete ein Range Rover abseits der Fahrbahn. Der Mercedes AMG, der auf den Geländewagen aufgefahren war, hatte eine Bremsspur von 300 Metern Länge. © Ketterl
17.07.2015

Rätsel um Fahrspurwechsel als Unfallursache - Kleinkind stirbt

Pforzheim. Es geht nicht nur um einen Sachschaden in Höhe von zunächst einmal geschätzten 80.000 Euro, um Versicherungsleistungen oder Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei. Bei dem Unfall am Donnerstagnachmittag um 16.35 Uhr auf der A8 zwischen den Anschlussstellen Pforzheim-Nord und -West in Fahrtrichtung Karlsruhe wurde ein 16 Monate altes Kleinkind so schwer verletzt, dass es trotz aller Reanimationsversuche kurz darauf in einer Pforzheimer Klinik starb. Da gewinnt die Schuldfrage eine ganz andere Dimension. Und zur Klärung dieser Frage sucht die Polizei dringend nach Zeugen, die Auskunft über den Ablauf des Unfalls geben können.

Bildergalerie: Überholfehler? Kleinkind stirbt nach Unfall auf A8

Ging man bislang von einem Fahrstreifenwechsel eines Range Rovers vom mittleren auf den linken Fahrstreifen aus, der dann zu einer Kollision mit einem schnell heranfahrenden Mercedes AMG führte, so ist dies jetzt anscheinend wieder völlig offen. Wer solch einen Fahrstreifenwechsel gesehen oder eben das Gegenteil verfolgt hat, wird von der Polizei gebeten, sich mit dem Verkehrskommissariat Pforzheim, Telefon (07231) 186-4100 in Verbindung zu setzen. Die Suche nach Zeugen läuft übrigens auch über die Facebook-Seite der Karlsruher Polizei.

Was bisher kontrovers in den Sozialen Netzwerken diskutiert wurde, hat die Polizei nun klargestellt: Auf dem Abschnitt der A8, auf dem der tragische Unfall geschah, gibt es kein Tempolimit. Und: Das Kleinkind fuhr zum Zeitpunkt des Unfalls angeschnallt in einem entsprechenden Sicherungssystem auf der Rückbank des Range Rovers mit.

In den nächsten Tagen wird auf Weisung der Staatsanwaltschaft ein Gutachter den Unfallort und die beiden total demolierten Fahrzeuge begutachten. Eventuell kann er herausfinden, ob der Range Rover links geblinkt hat, was auf einen Fahrspurwechsel hindeuten könnte. Es dürfte auf jeden Fall kein Leichtes sein, ohne Zeugen den genauen Unfallhergang zu rekonstruieren. So viel scheint jedoch an Fakten vorzuliegen: Der 28-jährige Mercedes-AMG-Fahrer fuhr trotz Vollbremsung dem Range Rover hinten auf, wodurch dieser nach rechts über alle drei Fahrstreifen schleuderte, gegen die Leitplanke prallte und nach rund 160 Metern an einer Böschung außerhalb der A8-Fahrbahn stehen blieb. Der Mercedes hinterließ bis zum Stillstand eine Bremsspur von über 300 Meter Länge.

Es müssen also sehr hohe Geschwindigkeiten im Spiel gewesen sein. Auch soll sich der Range Rover mehrmals überschlagen haben. Angesichts dieser Umstände verwundert es schon, dass der Mercedes-Fahrer nur leicht und die beiden aus dem Bodenseekreis stammenden, 31 und 25 Jahre alten Eltern des zu Tode gekommenen Kleinkinds nur mittelschwer verletzt wurden. Für ihr 16 Monate altes Kind waren die Crashfolgen jedoch zu gravierend. Alle Beteiligten waren angeschnallt.

Für die Rettung der Verletzten musste die Fahrbahn in Richtung Karlsruhe für einige Zeit komplett gesperrt werden. Bis weit in den Abend hinein staute sich der Verkehr hinter dem Unfallort auf teilweise bis zu 15 Kilometer Länge. Im Einsatz befand sich die Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr, Abteilung Brötzingen-Weststadt, mit vier Fahrzeugen und 19 Mann, das Deutsche Rote Kreuz mit zwei Notarzteinsatzfahrzeugen, dem organisatorischen Leiter des Rettungsdienstes und drei Rettungswagen, sowie die Polizei. Da sich der Einsatz über eine Stunde hinzog, wurden dienstfreie Kräfte der Berufsfeuerwehr für eventuelle Folgeeinsätze alarmiert.

 

Leserkommentare (0)