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Friedrich Schillers „Die Räuber“ wurde im Kooperationsprojekt von Theater Pforzheim und Flüchtlingsklassen der Alfons-Kern-Schule überzeugend gespielt.  Keller
Friedrich Schillers „Die Räuber“ wurde im Kooperationsprojekt von Theater Pforzheim und Flüchtlingsklassen der Alfons-Kern-Schule überzeugend gespielt. Keller
23.06.2017

„Räuber“ voller Hingabe - Theaterabend mit Flüchtlingen und Schülern kommt gut an

Pforzheim. Einen überaus beeindruckenden Theaterabend haben die Akteure des Kooperationsprojekts vom Theater Pforzheim und der Alfons-Kern-Schule abgeliefert. Das intensive Spiel der Darsteller hat das Publikum vergessen lassen, dass bei dem Stück „Die Räuber“ nach Friedrich Schiller viele Amateure am Werk waren.

Intendant Thomas Münstermann begrüßte die Zuschauer in den vollen Rängen zu diesem besonderen Abend. Dabei erinnerte er an die Produktion aus dem vergangenen Jahr, die ebenfalls in Kooperation mit Flüchtlingsklassen der Alfons-Kern-Schule entstanden war. „Zwei Teilnehmer aus dem letzten Jahr sind von Abschiebung bedroht“, sagte Münstermann. „Bis gestern sah es noch so aus.“ Zwischenzeitlich habe einer der ehemaligen Darsteller einen Ausbildungsplatz bekommen und dürfe nun auch bleiben. Er machte darauf aufmerksam, dass die meisten Darsteller in einem fremden Land mit fremder Sprache auf der Bühne stehen. „Es ist eine Herausforderung, sich dieser klassischen Sprache zu stellen“, sagte Münstermann. 20 Schüler aus den Flüchtlingsklassen der Alfons-Kern-Schule und zehn Kinder und Jugendliche aus den SpielZeit-Clubs haben zusammen mit professionellen Künstlern des Theaters seit Januar gearbeitet, um Schillers „Die Räuber“ in der Fassung von Anja Noël auf die Bühne zu bringen.

Das Lied „O Schwarzwald, o Heimat“ schallte zu Beginn mitten aus dem Publikum. Der Bezug zum Schwarzwald fand auch in den Kostümen der Darsteller seinen Niederschlag, die an schwarzwälder Trachten erinnerten. Vor einer Kulisse mit begehbaren Gerüsten entwickelte sich das Stück. Den Hauptdarstellern und den Darsteller, der Räuber war anzuhören, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Doch in den Akzent, der durchaus charmant wirkte, konnten sich die Zuschauer schnell hineinhören. Zudem war den Hauptdarstellern ein jüngeres Ego zugeordnet, das im Fortgang der Geschichte immer wieder auftrat. Zusätzlich beschrieb eine junge Erzählerin die Szenen, die außerdem mit den Neuigkeiten vom Krieg einen Bezug zur Realität herstellte. Die Beschreibung von Toten an der Luisenstraße und am Reuchlinplatz stammte aus Augenzeugenberichten über das am 23. Februar 1945 zerstörte Pforzheim. Nicht nur die Hauptdarstellern sondern auch alle anderen „Räuber“ spielten mit voller Hingabe. Beim „Räuberfilme-Abend“ am 16. Juli, 18 Uhr, im Großen Haus wird es unter anderem einen Dokumentarfilm von Paul Scholten geben, der den Entstehungsprozess zum Theaterstück filmisch begleitet hat.