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Rami Suliman, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Pforzheim, befürchtet noch mehr Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger und Institutionen. 

Rami Suliman zu Halle: „Es wird noch weiter eskalieren“ - Am Donnerstag Mahnwache auf Platz der Synagoge Pforzheim

Pforzheim/Halle. Rami Suliman ist tief erschüttert. Der Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Pforzheim hat am Mittwoch mit 100 Gläubigen in der Pforzheimer Synagoge an der Emilienstraße Jom Kippur gefeiert, als die Schreckensnachricht aus Halle kam. „Die Polizei hat sofort reagiert und Beamte in und vor der Synagoge postiert“, erzählt er.

Das Sicherheitsgefühl unter den Pforzheimer Juden sei im Allgeimeinen schon nicht gut, „aber gestern war es noch schlechter.“ Die Polizeipräsenz konnte aber die Lage etwas entspannen. Überraschend kommt der Übergriff in Halle für Suliman indes nicht: „Juden werden in Deutschland bespuckt, beschimpft und beleidigt. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis etwas Schlimmeres passiert – und es wird noch weiter eskalieren. Ich bin pessimistisch.“

 

„Ich habe mir nicht vorstellen können, dass jüdische Bürgerinnen und Bürger in Deutschland wieder Ziel von Anschlägen sein könnten und frage mich: Wann hört dieser Wahnsinn auf?

Peter Boch, Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim

 

Mahnwache für die Opfer von Halle am Platz der Synagoge Pforzheim

Der Rat der Religionen Pforzheim ruft zur Mahnwache für die Opfer des antisemitischen Terroranschlags in Halle auf. Treffpunkt ist am Donnerstag, 10. Oktober, 12 Uhr, auf dem Platz der Synagoge Pforzheim. "Wir sind entsetzt und fassungslos, dass jüdische Bürger unseres Landes um ihr Leben fürchten müssen, weil sie Juden und Jüdinnen sind. Ausgerechnet am Jom Kippur wurde auf sie in Halle ein antisemitischer Anschlag verübt. Wir trauern mit den Angehörigen der Opfer, bangen um die Verletzten und stellen uns an die Seite unserer jüdischen Geschwister", heißt es im Aufruf zur Mahnwache.

 

Das sind wirklich entsetzliche Nachrichten aus Halle. Sie haben mich in meinem Pforzheimer Büro erreicht. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Dass jetzt die Schutzmaßnahmen für Synagogen in Baden-Württemberg erhöht werden müssen, besorgt mich sehr. Niemals wieder dürfen Menschen aufgrund ihrer Religion bei uns in Gefahr sein. Ich habe Vertrauen in unsere Polizei und unsere Sicherheitsbehörden, dass jetzt alles in die Wege geleitet wird, was notwendig ist und der Aufklärung dient.“

Katja Mast MdB, Stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion und Bundestagsabgeordnete für Pforzheim/Enzkreis

 

 

„Dieser Anschlag ist zutiefst verstörend und widerwärtig. Dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Pforzheim, Rami Suliman, habe ich mein tiefstes Beileid und Mitgefühl ausgesprochen. In Gedanken sind wir bei den Opfern und Angehörigen dieses Attentats.

Peter Boch, Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim

 

Extrem antisemitische Äußerungen im Bekennervideo

Der mutmaßliche Täter, ein 27-jähriger Deutscher in Kampfanzug und Waffen, soll in den sozialen Netzwerken ein Bekennervideo hochgeladen haben. In dem am Mittwoch verbreiteten Video ist zu sehen, wie offensichtlich in der Innenstadt von Halle geschossen wird. Die Aufnahmen stammen wohl von einer an einem Helm befestigten Kamera. Der Mann gibt in schlechtem Englisch extrem antisemitische Äußerungen von sich. In den Aufnahmen ist zu sehen, wie der Filmende vergeblich versucht, in die Synagoge an der Humboldtstraße zu gelangen. Die Tür bleibt allerdings verschlossen. Daraufhin schießt der Täter auf der Straße einer Passantin mehrfach in den Rücken, die ihn zuvor angesprochen hatte.

„Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen“, schilderte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki. Außerdem hätten der oder die Täter versucht, das Tor des benachbarten jüdischen Friedhofs aufzuschießen, so Privorozki. Die Menschen in der Synagoge seien geschockt gewesen.

 

„Was in Halle passiert ist, muss uns alle erneut und noch mehr wachrütteln. Das ist entsetzlich. Angriffe auf jüdisches Leben, auf Menschen, die ihren Glauben leben sind noch immer in ganz Deutschland an der Tagesordnung. Es ist beschämend, wenn Synagogen bewacht werden müssen und Menschen Angst vor dem Gang in ihre heiligen Stätten haben.

Katja Mast, Stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion und Bundestagsabgeordnete für Pforzheim/Enzkreis