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Raser wird sechs Monate lang zum Fußgänger

Pforzheim. Da hatte Anwalt Mehmet Can nichts unversucht gelassen, um seinen ebenfalls türkischen Mandanten doch noch irgendwie freizuboxen: Neben der Beschaffenheit der Messgeräte wurde eine mögliche Überalterung der Software ins Spiel gebracht, und auch die Kompetenz der jeweiligen Polizeibeamten wurde infrage gestellt. Genützt hatte dies jedoch herzlich wenig: Am Donnerstagnachmittag verurteilte Richter Ingo Henze einen Raser zu einer Geldstrafe von 2500 Euro sowie einem Fahrverbot von sechs Monaten.

Der Angeklagte hatte im November 2017 an gleich zwei Tagen die Straßen der Stadt buchstäblich unsicher gemacht: Zunächst war er nachmittags mit 116 Stundenkilometern in der Nordstadt in Richtung Wilferdinger Höhe geblitzt worden. Erlaubt war eine innerörtliche Richtgeschwindigkeit von gerade mal 50 Stundenkilometern, als Ort des Tathergangs wurde die Emil-Strauß-Straße genannt. Ein Glück für den Angeklagten, dass dieses Delikt zum Zeitpunkt der Verhandlung als bereits verjährt gegolten hatte.

Im Falle der Raserei lag hingegen eine potenzielle Personengefährdung vor, befindet sich nicht allzu weit von der Messstelle wohl ein Fußgängerüberweg. Der Verkehr wurde an jenem Donnerstagnachmittag vom 16. November 2017 von den Beamten als „normal“ bis „belebt“ beschrieben. Selbst als das zunächst kaum anhaltbare Fahrzeug dann doch noch zur Seite genommen wurde, zeigte sich der Fahrer in Eile: „Macht doch mal schneller!“, befahl er den Beamten während der Kontrolle.

Auf dem Beifahrersitz des Angeklagten befand sich eine Portion warmes Hähnchen, die von A nach B transportiert werden musste. Über die wahren Gründe der Raserei konnten letztendlich jedoch nur Vermutungen angestellt werden.