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Sollte das Regierungspräsidium Karlsruhe dem Abriss des Technischen Rathauses zustimmen, sollen nach dem Willen der Verwaltung keine Veranstaltungen, wie hier der Bauernmarkt, die Bauarbeiten beeinträchtigen. Foto: Seibel
Sollte das Regierungspräsidium Karlsruhe dem Abriss des Technischen Rathauses zustimmen, sollen nach dem Willen der Verwaltung keine Veranstaltungen, wie hier der Bauernmarkt, die Bauarbeiten beeinträchtigen. Foto: Seibel
06.11.2016

Rat soll neuen Antrag auf Abbruch des Technischen Rathauses beschließen

Pforzheim. Nach der Ablehnung des Abrissantrags für das Technische Rathaus durch das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart treibt die Verwaltung das Verfahren zum Projekt Innenstadt-Ost weiter voran. Wie berichtet, wird die Stadt einen erneuten Antrag stellen – diesmal beim Regierungspräsidium Karlsruhe.

Hierfür soll der Gemeinderat nach PZ-Informationen noch im November in nichtöffentlicher Sitzung die Weichen stellen. Die Aufsichtsbehörde müsste dann denkmalrechtliche Belange gegen die Interessen der Stadt abwägen. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte bereits erklärt, dass der Abbruch des Kulturdenkmals nur möglich ist, wenn sich die Erhaltung wirtschaftlich als unzumutbar erweist oder andere öffentliche Belange überwiegen.

Stadt sieht keine Alternative

Beides sieht die Stadt Pforzheim offenbar erfüllt, nachdem sie folgende drei mögliche Szenarien geprüft hat, die das Technische Rathaus einbeziehen:

Das erste Szenario sähe vor, mit möglichst geringen Eingriffen die Baustruktur möglichst wenig zu beeinträchtigen – es bliebe bei der reinen Nutzung als Verwaltungsgebäude.

Dies wäre auch im zweiten Szenario der Fall. Hier ginge die Ertüchtigung weiter, ergäbe im Vergleich zu Neubauten einen niedrigen bis mittleren Standard – allerdings auf Kosten des Denkmalschutzes.

Szenario Nummer drei wäre der Versuch, die angestrebte Nutzung für den Einzelhandel umzusetzen, was starke Eingriffe in die Substanz bedeuten würde.

Alle drei Optionen sind mit den Plänen der Verwaltung kaum vereinbar: Szenario eins und drei scheiden offenbar bereits aus formalen Gründen aus – wegen Sicherheitsbedenken im Minimalszenario beziehungsweise des Umfangs der Veränderungen im Fall einer kommerziellen Teilnutzung. Szenario zwei wird, wie berichtet, zum einen mit mehr als 20 Millionen Euro veranschlagt und ist zum anderen aus städtischer Sicht grundsätzlich nicht mit dem Konzept des Projekts Innenstadt-Ost vereinbar, mit dem das Zentrum durch Verdichtung, intensivere private wie geschäftliche Nutzung und eine Annäherung an den ursprünglichen Stadtgrundriss neu belebt werden soll. Ohne den Abriss sieht die Verwaltung ihre Pläne vor dem Aus.

Dazu passt, dass keiner der möglichen sieben Investoren einen Entwurf eingereicht hat, der den Erhalt des aufgrund von Sanierungsstau weitgehend im Originalzustand befindlichen Technischen Rathauses beinhaltete. Wie berichtet, soll im Ostteil der Fußgängerzone ein Gegenpol zur Schlössle-Galerie im Westen entstehen. Falls das Regierungspräsidium einem Abriss des 1957 fertiggestellten Baus des Architekten Hans Schürle zustimmt, ist dieser nach PZ-Informationen geplant, nachdem entschieden ist, welcher Entwurf im Rahmen des dreistufigen Dialogverfahrens das Rennen gemacht hat.

Wohin mit dem OechsleFest?

Nach dessen Abschluss würden sich für die Zeit zwischen 2018 und 2024 auch größere organisatorische Fragen stellen, die mehrere etablierte Veranstaltungen betreffen – darunter der Bauernmarkt, verkaufsoffene Sonntage, das OechsleFest oder auch der Gruschtelmarkt. Sie sollen diesen Bereich nach den Plänen der Verwaltung in den Jahren der Bauarbeiten aussparen – und könnten dann nicht mehr oder in anderer Form stattfinden. Damit sollen eine Verzögerung des Projekts sowie eine Erhöhung der Kosten vermieden werden.

Allerdings dürfte der Verwaltung angesichts der Popularität eine komplette Streichung schwerfallen. Zumal es nicht das erste Mal wäre, dass kleinere und größere Veranstaltungen ausweichen müssen. So fand etwa das OechsleFest aufgrund des Marktplatz-Umbaus 2007 bereits schon einmal auf dem Waisenhausplatz statt – mit mehr Besuchern als in den Vorjahren.

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