kessel wartberg
Rund 400 Demonstranten hat die Polizei auf dem Wartberg eingekesselt, während die Rechtsextremisten ihre bizarre Fackelmahnwache abhalten konnten.  
kessel wartberg
Auf dem Wartberg standen sich Linksautonome und Polizisten an einem Zaun gegenüber. Später wurden die Demonstranten eingekesselt, während die Rechtsextremisten ihre so genannte Mahnwache abhalten konnten, beschützt von weiteren Polizisten. 

Rechtsextreme zünden Fackeln, Linke eingekesselt

Rund 95 Rechtsextreme haben um 19.50 Uhr - pünktlich wie jedes Jahr - ihre Fackeln auf dem Wartberg-Plateau entzündet: für 20 Minuten - die Dauer des Bombardements am 23. Februar 1945. Östlich des Wasserturms hatten sich ebenso rund 100 Linksautonome versammelt wie gegenüber dem "Café Hasenmayer". Und dann gab es da noch den Kessel, in dem 400 Demonstranten von der Polizei eingekreist und festgehalten wurden

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Antifaschisten wollen Rechtsextreme blockieren - 2

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Antifaschisten wollen Rechtsextreme blockieren - 1

Erstmals waren die Rechtextremisten nicht von der Polizei an einem Ort unweit des Wartbergs in Empfang genommen und in aller Stille zum Plateau geleitet worden, sondern waren Stunden vor ihrer "Mahnwache" mit Privatautos aus ganz Süddeutschland - Aalen, Reutlingen, Karlsruhe, Rastatt, Heilbronn, Ludwigsburg - auf den Wartberg gefahren. Sie durften stundenlang in den Wagen in der Kälte ausharren.

Mahnwache der Rechtsextremen, Demonstration der Neonazi-Gegner, Großaufgebot der Polizei – haben Stadtverwaltung und Politiker genug getan, um den Gedenktag würdig feiern zu können?
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Neonazi-Gegner demonstrieren gegen Rechtsextremisten

Offensichtlich hatte sich die Größe des Polizeiaufgebots und die massive linksautonome Präsenz bis in rechte Kreise herumgesprochen: 125 Rechtsextremisten, die sich in Karlsruhe in den Zug gesetzt hatten, um in Pforzheim an der "Mahnwache" teilzunehmen, fuhren weiter bis Mühlacker. Dort stiegen sie aus, baten um Anmeldung eines Aufzugs und warteten, bis Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider ankam. Die Polizei war mit einem weiteren Großaufgebot in die Senderstadt gerast, um mögliche gewalttätige Auseinandersetzungen zu verhindern.

OB Schneider erlaubte nur eine zehnminütige Kundgebung, bei der die Rechtsextremisten ihre Fackeln entzündeten. Gleich nach der provisorischen Kundgebung gingen die Rechtsextremisten zum Bahnhof und fuhren nach Hause.

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Kundgebung der Initiative gegen Rechts in Pforzheim

Von den 450 Teilnehmern an der Kundgebung der "Initiative gegen Rechts" hatte die Polizei, so Polizeioberrätin und Einsatzleiterin Julia Buchen, die 300 Beamte der Bundespolizei mit nach Pforzheim gebracht hat, etwa 250 als Linksautonome eingestuft. Schon vor der Eskalation der Demonstration sei man bei der Polizei von einer hohen Gewaltbereitschaft ausgegangen.

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Pforzheimer Mosaikaktion als Zeichen gegen den Krieg

Bereits beim Aufmarsch der Linksautonomen in Richtung Wartberg flogen vereinzelt Steine. Später wurde auch Pfefferspray versprüht. Zwei Beamte wurden von Brettern getroffen und verletzt. Die Polizei hielt zum Teil mit dem Gummiknüppel dagegen. PZ-Redakteur Olaf Lorch wurde von einigen Linksautonomen überraschend das Handy entrissen und zerstört, seine schriftlichen Unterlagen weggenommen. Was wohl auch die Polizei überrascht hat: Der Zug der Neonazi-Gegner schwoll plötzlich auf rund 600 Antifaschisten an.

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Gedenkfeier zum 23. Februar auf dem Hauptfriedhof

Gegen 20 Uhr verkündete ein Sprecher der Bereitschaftspolizei in Pforzheim den Notstand. Hunderte Antifaschisten befanden sich noch auf dem verschneiten Acker im "Wartberg-Kessel". Die Kundgebung sei gewalttätig verlaufen, so die Polizei, werde aufgelöst, und es gelte ein Platzverweis bis 21 Uhr. Man werde die Personalien aufnehmen, zunächst von allen Frauen und Unter-18-Jährigen. Zunächst weigerten sich die Autonomen, der mehrmaligen Aufforderung Folge zu leisten.

Letztlich aber wurden die Personalien von allen Eingekesselten aufgenommen. Drei identifizierte Straftäter wurden vorübergehend festgenommen und wegen Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung angezeigt.

Bei der Staatsanwaltschaft sieht man sich bezüglich der Beschlagnahme eines Flugblatts der "Initiative gegen Rechts" bestätigt. In dem Flyer, auf dem zur Kundgebung gegen Nazis am Samstag vor dem "Rex-Filmpalast" aufgerufen wurde, soll zu einer Blockade der Mahnwache aufgerufen worden sein. Ein Gericht wird nun wohl prüfen müssen, ob der Blockade-Versuch der Linksautonomen mit der Blockade-Aufforderung im Flyer in Verbindung gebracht werden kann.

Bei der abschließenden Pressekonferenz erklärte Oberbürgermeister Gert Hager noch einmal sein Entsetzen über die Eskalation der Situation. Es gebe bereits erste Überlegungen, wie man das im nächsten Jahr verhindern könne. Im Augenblick zumindest sieht es so aus, als könnten die Rechtsextremisten ihre umstrittene und von allen relevanten gesellschaftlichen Gruppen und Parteien in Pforzheim abgelehnte Mahnwache noch einige Jahre weiter abhalten. Und das dürfte auch weiterhin Gegendemonstranten auf den Plan rufen.