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Pauline, Safa und Luca-Pascal kennen sich gut aus im Internet. Professor Felix Buchmann klärt die Schüler bei der Vorlesung der Kinder-Uni über die Gefahren auf, die Facebook, Whatsapp und Co. mit sich bringen. Foto: Seibel
Pauline, Safa und Luca-Pascal kennen sich gut aus im Internet. Professor Felix Buchmann klärt die Schüler bei der Vorlesung der Kinder-Uni über die Gefahren auf, die Facebook, Whatsapp und Co. mit sich bringen. Foto: Seibel
23.07.2015

Rechtsfreier Raum Internet? Von wegen!

Viele Jugendliche mussten schon Bekanntschaft mit Mobbing in sozialen Netzwerken oder Whatsapp machen. In der „KINDER-UNI“ wurde erklärt, was erlaubt ist und was nicht und wie man sich am besten gegen solche Attacken wehrt.

Es klingt wie ein wahr gewordener Albtraum: Die zwölfjährige Lea (Name geändert) schickt dem Jungen, für den sie schwärmt, ein Selfie von sich – nackt. Dieser zeigt das Bild stolz seinen Freunden und leitet es weiter. Nach nur zwei Wochen hat die ganze Schule das Bild der Zwölfjährigen auf dem Smartphone. Lea schweigt ein Jahr, überwindet sich dann und erzählt ihrer Mutter davon. Sie wechselt die Schule, alles scheint vergessen. Dann kommt es zum Streit zwischen ihr und einer neuen Klasenkameradin. Zu Leas großem Entsetzen hat auch diese ihr Nacktfoto auf dem Smartphone und verbreitet es, diesmal sogar auf Facebook. Ein Teufelskreis.

Wie man es vermeidet, in so eine Situation zu kommen und wie man im Zweifelsfall am besten handelt, erklärte Anwalt Felix Buchmann den Schülern bei der Vorlesung. Viele der Anwesenden mussten selbst bereits Erfahrungen mit Cybermobbing machen. „Ich wurde in der Whatsapp-Gruppe meiner Klasse von mehreren Mitschülern beschimpft und bedroht“, berichtete eine der Schülerinnen.

Felix Buchmann weiß, dass mit Cybermobbing nicht zu spaßen ist. „Betroffene sind teilweise so verzweifelt, dass sie keinen anderen Ausweg als den Suizid sehen“, sagte er. Die große Gefahr des Mobbings im Internet sei, dass die Täter nicht merkten, was sie dem Opfer antäten. Das Internet verhindere durch die Anonymität den persönlichen Kontakt zwischen den Schülern. Bilder ohne die Einwilligung des Urhebers weiterzuleiten, sei eine Verletzung des Persönlichkeits- und Urheberrechts und eine schlimme Form des Mobbings. Derjenige, der das Bild gemacht hat, kann sowohl strafrechtlich als auch zivilrechtlich gegen den vorgehen, der das Bild ohne seine Zustimmung weitergeleitet hat. Eine Unterlassungserklärung mit Vertragsstrafe bei Verstoß sei eine Möglichkeit, gegen die Verletzung des Persönlichkeitsrechts vorzugehen.

Auf der sicheren Seite sei man allerdings nur, wenn man keine intimen Fotos verschicke. „Das Internet vergisst nichts“, warnt Buchmann die Schüler. „Überlegt euch gut, was ihr über euch ins Internet stellt und was ihr an Freunde schickt. Bilder, die über Whatsapp weitergeleitet werden, können nicht mehr gelöscht werden.“ Für die Schüler war dieses Thema hochinteressant und sie stellten viele Fragen. Falls Gespräche mit Schülern und Lehrern keinen Erfolg bringen, sei der Gang zu einem Anwalt der richtige Weg, um sich gegen das Mobbing zur Wehr zu setzen, so Buchmann.