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Kinder müssen bei Problemen unter Umständen lange auf Hilfe warten. Foto: Fotolia
Kinder müssen bei Problemen unter Umständen lange auf Hilfe warten. Foto: Fotolia
14.02.2016

Rechtsstreit bremst Kinderpsychiatrie aus

Kinder mit psychischen Erkrankungen müssen in Pforzheim und dem Enzkreis zum Teil lange auf eine Behandlung warten, sofern es sich nicht um einen akuten Notfall handelt. Einen einzigen niedergelassenen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie gibt es in Pforzheim und dem Enzkreis. Ambulante Versorgung können Betroffene zudem im Kinderzentrums Maulbronn (KIZE) und der kinderpsychiatrischen Institutsambulanz finden, die seit Anfang 2015 in den Räumen der Suchtmedizinischen Tagesklinik in Pforzheim untergebracht ist – einer Außenstelle des Zentrums für Psychiatrie (ZfP) – Klinikum Nordschwarzwald.

Was es bislang in der Region nicht gibt, ist eine sogenannte Tagesklinik, in der erkrankte Kinder und Jugendliche tagsüber betreut werden, aber abends in ihre Familien zurückkehren. Eine solche hat das ZfP bereits im Januar 2014 für Pforzheim beantragt – und den Zuschlag bekommen. Geändert hat das für die Bevölkerung bislang nichts. Grund dafür ist, dass eine Auseinandersetzung über die Trägerschaft der Umsetzung im Weg steht.

Klage beim Verwaltungsgericht

Mit Blick auf die „teilweise unzureichende Versorgungssituation“ habe die Einrichtung zwölf tagesmedizinische Plätze beim Sozialministerium angefragt, berichtet Uwe Herzel, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe. „Kurz vor Zustimmung des Landeskrankenhausausschusses im März 2014 hat auch das Kinderzentrum Maulbronn einen Antrag auf 20 solcher Plätze gestellt“, berichtet er weiter. Diese seien aufgrund des vorherigen Antrags aus Calw zunächst nicht berücksichtigt worden. Nachdem das RP im April den Feststellungsbescheid für Calw erlassen hatte, hat das KIZE Klage beim Verwaltungsgericht Karlsruhe eingelegt. Derzeit seien beide Seiten bemüht, auf außergerichtlichem Weg eine Einigung zu erzielen. Man hat sich eine Frist bis Ende März gesetzt. Je nachdem, wie die Gespräche ausgehen, könnte aber auch eine Verlängerung beantragt werden.

Beide Seiten betonen, es gehe ihnen darum, schnellstmöglich eine Einigung zu finden, die Tagesklinik zu eröffnen. „Uns liegt daran, für beide Seiten einen ordentlichen Weg zu finden“, lässt ZfP-Geschäftsführer Michael Eichhorst wissen. Seine Einrichtung habe den Versorgungsauftrag über ein Gebiet von 1,1 Millionen Einwohnern. Erfahrungen mit einer Tagesklinik für Kinder und Jugendliche habe man bereits seit Jahren in Böblingen gesammelt. Eine solche Einrichtung sei beispielsweise für Patienten nach einem stationären Aufenthalt wichtig auf dem „Weg zurück ins normale Sozialumfeld“.

„Wir sehen alle ein, dass was getan werden muss. Aber Calw wird seinen stationären Bereich nach Böblingen verlegen“, erklärt Professor Rainer Blank, KIZE-Geschäftsführer, die Ambitionen seiner Einrichtung: „Wir haben was zu bieten, und wir sind vor Ort.“ Das Angebot auszubauen sei wichtig: „Momentan gibt es sicherlich Lücken und die Region ist nicht so gut aufgestellt“, sagt er – dies soll sich nun ändern. „Wir können jetzt selbst Kinder- und Jugendpsychiater ausbilden, und die werden meist in der Region bleiben.“ Zudem wolle man in Maulbronn die Ambulanz ausweiten. „Obgleich wir noch im Tunnel stehen – ich sehe Licht am Ende. Es sind viele Dinge am Entstehen“, meint Blank. „ich bin optimistisch, dass wir in den nächsten Jahren eine top Versorgung haben werden.“

Auch das Helios Klinikum Pforzheim trägt sich nach PZ-Informationen mit dem Gedanken, an der Kinderklinik eine Station für Jugendliche mit psychosomatischen Störungen einzurichten. „Der Wunsch steht im Raum“, bestätigt Pressesprecherin Silke Bentner, Näheres könne sie jedoch noch nicht berichten.

Auch bezüglich der Tagesklinik sind die zeitlichen Planungen noch offen. Sollte bis Ende März tatsächlich eine Einigung gefunden sein, wird es dennoch dauern, bis die Einrichtung für kinder und Jugendliche in Pforzheim eröffnen kann. „Mindestens ein Jahr“, schätzt Eichhorst, dessen Einrichtung bereits mehrere mögliche Standorte prüfe. Wenn es schnell geht, zwei bis drei Jahre“, meint dagegen Blank.