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05.01.2009

Reden statt Randale - Kaum Ferientreffs für Jugendliche

PFORZHEIM. Der Bedarf an Treffmöglichkeiten für Jugendliche ist in den Ferien groß: Während die Insel-Hauptschule und das Lukaszentrum kostenlose Angebote machen, sieht es jedoch in anderen Familienzentren mau aus.

Die Familienzentren im Stadtgebiet hatten über Weihnachten ihre Angebote entweder deutlich heruntergefahren oder haben bis zum kommenden Wochenende ganz dicht gemacht. Das Familienzentrum Au mit seinem Fokus auf Mütter mit Kindern hat bereits seit dem 19. Dezember geschlossen. Im Oststadttreff im ehemaligen Postkraftwagenhof laufen laut Leiterin Gaby Silberborth momentan nur einzelne Sprachkurse. „Nach den Schulferien geht es wieder los.“

Geöffnetes Schülercafé

Vor zwei Jahren randalierten mehrere Jugendliche in den Weihnachtsferien an der Altstädter Kirche und an der Inselschule aus reiner Langeweile. Es entstand dabei ein Schaden in Höhe von über 30 000 Euro. Um dem vorzubeugen, haben die Verantwortlichen des Präventionsprojekts N.O.V.U.M. für Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahre wieder ein Programm für einen Teil der Schulferien auf die Beine gestellt. Es findet in der Insel-Hauptschule statt.

Obwohl das Projekt von Polizeidirektion, Stadt und Stadtjugendring zum Jahresende bereits ausgelaufen ist, findet das Weihnachtsprogramm in dieser Woche noch einmal unter Trägerschaft von N.O.V.U.M. und in Zusammenarbeit mit dem Sportkreis und dem Schlossbergzentrum statt.

Das Schülercafé hat nachmittags geöffnet. Heute ist eine Wanderung auf den Sommerberg geplant und morgen findet ein Fußballturnier und ein Beautyday statt. Am Freitag wird gekocht und Samstag finden ein Abschlusskonzert im Haus der Jugend statt. Und auch im Lukaszentrum finden in Kooperation mit der Polizeidirektion, der mobilen Jugendarbeit, zweier Schulen und dem Sportkreis in dieser Woche unter anderem ein Kinonachmittag, Klettern, und Schmuck basteln statt. Die „Weststadt-Winteraktion“ ist Teil des auf ein Jahr begrenzten Präventionsprojekts „Pro West Pforzheim“.

Dauerhafte Angebote erwünscht

Hartmut Wagner, kommissarischer Geschäftsführer des Stadtjugendrings und N.O.V.U.M.-Verantwortlicher, wünscht sich für die Ferienzeit dauerhafte Angebote für Jugendliche, die aus den einzelnen Stadtteilen heraus organisiert werden sollten. Das könnten Familienzentren leisten, sofern sie überhaupt Angebote für Jugendliche bereit halten, oder auch die Sozialarbeiter. Bislang habe die Stadt aber keinen Finanz-Topf bereitgestellt.

„Vor allem für muslimische Jugendliche ist das wichtig“, sagt Wagner. Denn sie feiern die christlichen Feiertage nicht. Für die Kinder aus christlichem Hause gelte: Gerade in einer so heiklen Zeit wie rund ums Weihnachtsfest, in der es oft zu familiären Konflikten komme und Jugendliche und vielleicht auch Mütter mit Kindern Ausweichmöglichkeiten bräuchten, hätten sie in den Familienzentren in der Stadt keine Ansprechpartner.

Was den Einfluss der Stadt als Geldgeber auf kontinuierliche Angebote und Öffnungszeiten in Ferien und an den Wochenenden angehe, so erklärt der städtische Jugendförderer: In der nächsten Woche gebe es Gespräche mit allen Trägern der Familienzentren. Es existierten zwar grobe Absprachen über die Inhalte der Arbeit. Wann aber die Einrichtungen jedoch öffneten und wann nicht, das sei bislang dem Träger überlassen.