nach oben
10.06.2009

Regierungspräsidium prüft Westtangenten-Bau in Etappen

Stefan Mappus ist 43 Jahre alt. Hätte sich der frühere baden-württembergische Verkehrsminister schon im Kindergarten-Alter für Politik interessiert, hätte er wohl im Sandkasten für seine Spielzeugautos mit der Schaufel eine Westtangente in den Sand geebnet. Das Thema Westtangente hat nämlich schon etliche Jahrzehnte auf dem Buckel. Wenn es nach dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion ginge, würden die Bagger und Planierraupen für die große Pforzheimer Umfahrungsstraße schon längst arbeiten. Jetzt sieht er gerade wieder ein weiteres Lichtlein am fernen Westtangenten-Horizont.

Tatsache ist: Noch in diesem Jahr wird ein Anschlussknoten da gebaut, wo sich die B 10 als Verlängerung der Karlsruher Straße und die Autobahn-Anschlusstelle Pforzheim-West treffen. Von dort aus soll der in den Nordschwarzwald abgehende Verkehr – wenn beide Abschnitte der Westtangente bis zur B 463 im Nagoldtal gebaut sind – ungehemmt abfließen können, ohne dabei die im Stadtgebiet lebenden Menschen zu stören und die Innenstadt zu verstopfen. Den Anschlussknoten wertet Mappus als positives Zeichen. Doch weitere Hoffnungen auf eine Realisierung der im dreistelligen Millionenbereich angesiedelten Umgehungsstraße bezieht er aus der Tatsache, dass das Regierungspräsidium Karlsruhe gerade einen neuen Vorschlag prüft: Der zwischen 65 und 70 Millionen Euro teure erste Bauabschnitt nicht in Etappen verwirklicht werden könnte.

Bei einer Pressekonferenz zur neuen Wahlkampf-Konzeption im Vorfeld der Oberbürgermeister-Stichwahl am 28. Juni hat Christel Augenstein am Mittwoch im „Ratskeller“ erklärt, dass die Stadtverwaltung nach Alternativen sucht, um dem Westtangenten-Bau neue Impulse zu verleihen. Augenstein will nicht mehr auf die milde Gabe aus der Staatskasse in Berlin warten, sondern aktiv das Heft in die Hand nehmen und eventuell Tatsachen schaffen, die weiter Druck auf den Bund ausüben könnten.

Ihr Vorschlag: Vom Anschlussknoten wird ein erster Teil der aus planerischer und rechtlicher Sicht baureifen Westtangente verwirklicht. Endpunkt der neuen Straße wäre die Dietlinger Straße im Westen der Stadt. Etwa zwölf Millionen Euro müsste der Bund für dieses Teilstück bezahlen, schätzt Christel Augenstein. Das wäre etwa ein Fünftel der Gesamtkosten für den kompletten ersten Bauabschnitt der Westtangente, der bis zur B 294 im Brötzinger Tal führen soll. Jenes erste Teilstück wirkt deshalb vergleichsweise preiswert, weil zwischen Dietlinger Straße und B 294 die Westtangente als relativ teures Tunnelbauwerk errichtet werden müsste.

Wie es von dort aus mit der Verkehrsführung weitergehen soll, kann Christel Augenstein noch nicht sagen. Zunächst einmal soll das Regierungspräsidium den Vorschlag des etappenweisen Westtangenten-Baus prüfen. Dann könnte man sich Gedanken darüber machen, wie man den Verkehr von der Dietlinger Straße in Richtung Enztal weiterleitet. Im Gespräch waren ja in diesem Bereich schon zwei besonders große Kreisverkehre in Verbindung mit einer Tieferlegung der Kelterstraße.

Dass das alles noch Zukunftsmusik ist, weiß auch Stefan Mappus. Aber er ist zuversichtlich, dass sich bald etwas bewegen wird. Im Pressegespräch hat er sogar Wetten auf den Bau der Westtangente angenommen. Auf das Jahr der Realisierung aber hat er sich noch nicht festgelegt.