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Großer Andrang herrscht in der Pause und nach dem Vortrag um den 71-Jährigen, der nonstop Bücher, Helme und Poster signiert. Foto: Molnar
Vor grandioser Dia-Kulissse erweist sich Messner als spannender Erzähler. Foto: Molna
15.11.2015

Reinhold Messner begeistert rund 1800 Zuhörer im CCP

Es war windig und sehr kalt an jenem 8. Mai 1978. Den Weg durch das größte Hindernis – den Eisbruch – hatte Reinhold Messner gefunden, hatte mehrere Lager aufgebaut. Nun wollte er mit Peter Habeler endlich den Gipfel des Mount Everest ohne Sauerstoffmaske erreichen. Blödsinn, hatten viele gesagt, ein unverantwortliches Unternehmen. Und fast sah es danach aus, als hätten sie recht: „Wir wurden nach oben hin immer langsamer“, erzählte der berühmte Bergsteiger bei seinem ausverkauften Vortrag „Leben am Limit“ im Pforzheimer CongressCentrum, der im Rahmen der von der PZ unterstützten „vhsBilderWelten“ stattfand.

Bildergalerie: Reinhold Messner im CCP

Fast 1800 Menschen hörten gebannt zu, standen in der Pause und hinterher Schlange, um sich Buch, Helm oder Poster signieren zu lassen. „Schnaufen, schnaufen und noch ein Schritt“, führte Messner die damalige Anstrengung lebendig vor Augen, die Hoffnungslosigkeit, weil der Gipfel nicht näher rückte. Er sprach schnell, frei, mit leichtem Akzent. Und wenn dem 71-Jährigen aus Südtirol etwas besonders nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, setzte er begeistert seine Hände ein.

Zum Beispiel beim Anblick des Mount McKinley in Alaska, den er 1976 erklomm: „Wenn ich die vergletscherten Berge sehe, dann fühle ich mich ein bisschen zurückversetzt in die letzte Eiszeit“, sagte er, als die Fotos und Filmsequenzen zu dem „kältesten Berg der Erde“ über die Großleinwand flimmerten. Oder auch, als er nach all seinen Erlebnissen am Fels – Messner bestieg als erster Mensch alle 14 Achttausender – ein neues Abenteuer suchte. Und 1989/90 aufbrach, die Antarktis zu durchqueren. „Das war die großartigste horizontale Reise, die ich je gemacht habe“, erzählte der ergraute Grenzgänger mit sprühender Energie.

Erfahrungen und Unglücke

Zu diesem Zeitpunkt habe er auch erstmals darüber nachgedacht, sein Wissen in ein Museum einzubringen, ebenso die Sammlung und vielen Erfahrungen mit Menschen im Himalaya oder in der Mongolei. „Ich hatte das große Glück, weltweit in den Wüsten und Bergen unterwegs zu sein“, so Messner. Doch nicht nur von seinen beispiellosen Expeditionen in der Wildnis und vom Unglück seines Bruders am Nanga Parbat berichtete der heutige Bergbauer, der in seine Heimat zurückgekehrt ist und einen Biohof betreibt. Mit Humor und großem Wissen erzählte er auch vom schnellen Rückgang der Gletscher in den Alpen, blickte zurück auf die historischen Erfolge. Zum Beispiel darauf, wie der irische Polarforscher Sir Ernest Shackleton kurz vor dem Ersten Weltkrieg seine 22 Männer aus der „höllisch kalten“ Antarktis rettete.

Dass die 400 Mönche am Fuße des Mount Everest 1921 keine Freude an den Engländern hatten, verstand er ebenfalls zu schildern: „Für sie war der Berg heilig.“ 13-mal ist Messner in seinem Leben gescheitert. Einsam stand er auf zahlreichen Bergen und wünschte sich, diesen Glücksmoment mit jemandem teilen zu können. Doch am Ende zähle nur eines – der „goldene Schritt“. „Was wichtig ist, ist das was wir getan haben“, erklärte Messner und beendete einen spannenden Vortragsabend.