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Vegetarisches auf den Teller: Natascha Wittmann gibt im Hilda-Gymnasium Essen aus. Foto: Ketterl
Vegetarisches auf den Teller: Natascha Wittmann gibt im Hilda-Gymnasium Essen aus. Foto: Ketterl
10.01.2019

Religion, Allergien, Unverträglichkeiten: Darauf achten Caterer an Schulen

Pforzheim. Knapp 1100 Essen werden täglich an den sieben städtischen Ganztagsschulen ausgegeben. Ganz zu schweigen von der Verpflegung in Horten und Kitas. Immer wieder werden dort auch besondere Essen geordert. Etwa wegen Allergien oder aus religiösen Gründen. Den zusätzlichen Aufwand sehen die Caterer aber gelassen.

Proben von jedem Essen

„Natürlich ist das mehr Bürokratie, aber das gehört ja heute zum Geschäft“, sagt Caritas-Chef Frank Johannes Lemke. Man habe sich zum Beispiel darauf eingestellt, auf Unverträglichkeiten einzugehen oder Allergene anzugeben. Um den Kindern eine Auswahl zu ermöglichen, bietet die Caritas, die zwischen zehn und 15 Kitas, vier Horte und eine Schule beliefert, daher Wahlessen an.

Auch die Firma Goll Gastro aus Niefern-Öschelbronn, die fürs Catering der Insel-Schulen, der Schlosspark- und der Nordstadtschule sowie des Hilda- und Kepler-Gymnasiums zuständig ist, bietet an manchen Bildungseinrichtungen zwei Essen an. „Da sind dann auch Mahlzeiten mit Schweinefleisch dabei“, sagt Geschäftsführer Dietrich Goll. Gebe es nur ein Essen, verzichte man aufgrund der vielen muslimischen Schüler komplett auf Schweinefleisch. Das betreffe auch Beilagen, wie Soßen. Hier sei ohnehin ein großer Teil in Bio-Qualität, einmal pro Woche gebe es „Bio für alle“.

Auch für Goll, dessen Catering-Unternehmen täglich etwa 900 Essen an den Schulen ausgibt, hält sich der Aufwand durch Sonderwünsche in Grenzen. Den Anteil an lactose- oder glutenfreiem Essen schätzt er auf etwa zwei Prozent. Auch dass von jedem Essen Rückstellproben genommen werden müssen, gehört für die Caterer seit vielen Jahren zum Alltag. Lemke ist froh über diese Sicherheitsmaßnahme. Schließlich könne dies Lieferanten von einem Verdacht entlasten, eventuell verseuchtes Essen geliefert zu haben. Vier Wochen lang bewahrt Goll nach eigenen Angaben die einzelnen Proben auf.

Wer die Speisen an Pforzheimer Schulen liefert, darüber entscheidet alle drei Jahre ein europaweites Ausschreibungsverfahren und nach Angaben der Stadtverwaltung dann letztlich Qualität und Preis.

Keine Tiefkühlkost

Der Stadt zufolge war die Anzahl der Schulessen an den zwei Grund- und Werkrealschulen, einer Werkrealschule, einer Gemeinschaftsschule, einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum sowie zwei Gymnasien etwas rückläufig, sei aber durch den Aufbau der Ganztagsschule an der Nordstadtschule wieder ausgeglichen worden. Beim Essen handele es sich ausschließlich um Catering, Tiefkühlkost werde keine verwendet, erklärt der städtische Sprecher Philip Mukherjee. Vertragsbestandteil mit dem jeweiligen Caterer seien die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Kontrolliert werde dies über die entsprechenden Speisepläne. In der Ausschreibung sei ebenfalls festgelegt, dass ein Essen pro Woche den Qualitätsstandards der EG Öko-Verordnung entspreche.

Mukherjee zufolge beträgt der durchschnittliche Bezugspreis eines Schulessens derzeit rund 5,50 Euro. Davon tragen die Eltern einen Eigenanteil in Höhe von vier Euro. Kinder aus sozial schwachen Familien bezahlen einen Euro pro Essen, drei Euro werden über das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) abgedeckt.

Das verbleibende Delta zwischen Eigenanteil und tatsächlichem Preis werde von der Stadt beglichen, so Mukherjee. Der geschätzte Anteil der BuT-Empfänger liege derzeit bei 40 bis 45 Prozent.