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18.03.2016

Rentner überlistet Betrüger: Täter wegen „Enkeltricks“ zu Haftstrafe verurteilt

Es ist der klassische „Enkeltrick“: Über ein Prepaid-Handy, auf einen falschen Namen angemeldet, rufen organisierte, meist ausländische Banden Nummern aus Telefonbüchern an und geben sich als Verwandte der Angerufenen aus. Die meist älteren Opfer werden am Telefon dazu gedrängt, mehrere Tausend Euro von der Bank abzuheben.

Die Anrufer geben zudem vor, Polizeibeamte oder Bankangestellte zu sein, um die Opfer zu kontrollieren und eine Geldübergabe sicherzustellen.

Etliche fallen auf den Trick rein – Doch einer drehte den Spieß um: der 81-jährige Rentner, der im November vergangenen Jahres Opfer eines solchen Anrufs wurde, durchschaute den Betrug nach wenigen Minuten. Schließlich habe sein Bekannter Jürgen normalerweise einen ausgeprägten sächsischen Akzent und besitze selbst genug Geld. Sofort alarmierte er die Polizei und ging, scheinbar den Forderungen der Betrüger folgend, zu einer Bank. Statt mit den verlangten 30.000 Euro kehrte er, den Schein wahrend, mit einem Bankumschlag voller Papierschnipsel nach Hause zurück, wo zwei Beamte warteten.

Polizisten im Versteck

Die Anrufe der Trickbetrüger stellte er laut, so dass etwa vier Bandenmitglieder von den Polizisten ausgemacht werden konnten. Das Fünfte, das sich für die Geldübergabe als Notar ausgab, bat der Rentner in sein Haus, wo sich die Polizeibeamten versteckt hatten. Der Täter wehrte sich gegen eine Festnahme, schlug um sich und versuchte, zu fliehen. Den Beamten, die leichte Verletzungen davontrugen, gelang die Festnahme.

Das Schöffengericht mit Karl-Michael Walz, Direktor des Amtsgerichts, entschied am Donnerstag über das Urteil des Betrügers, der wegen versuchten gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, Sachbeschädigung und Körperverletzung gegen Beamten angeklagt wurde. Bereits 2011 war der 29-Jährige mit polnischer Staatsangehörigkeit in Österreich wegen eines „Enkeltricks“ verurteilt worden und vier Jahre in Haft gewesen. Bei der Verhandlung gab er ein Geständnis ab, weshalb Strafverteidiger Michael Schlipp auf eine Gefängnisstrafe von unter zwei Jahren plädierte. Staatsanwältin Antje Hilka forderte eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung. „Wir signalisieren ausländischen Banden, dass so ein Betrug hier bestraft wird“, so Walz. „Auch Körperverletzung und Widerstand gegen die Polizei dulden wir nicht.“ Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten aufgrund des mehrfachen Betrugs und des Widerstands gegen die Polizeibeamten zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung von zwei Jahren und einem Monat.