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Prozessionsspinner-Experten: die Lehrer Peter Schmidt und Corinne Frey, Nivethan Suriakumar, Jan Fricke (vorne, von links), Wildpark-Förster Carsten Schwarz, Nathaniel Wagner, Simon Kollmannsberger und Sean Staff (oben, von links).Foto: Moritz
Prozessionsspinner-Experten: die Lehrer Peter Schmidt und Corinne Frey, Nivethan Suriakumar, Jan Fricke (vorne, von links), Wildpark-Förster Carsten Schwarz, Nathaniel Wagner, Simon Kollmannsberger und Sean Staff (oben, von links).Foto: Moritz
04.07.2019

Reuchlin-Gymnasiasten entwickeln Ratgeber zum Eichenprozessionsspinner

Pforzheim. Ganz klar: Von den Raupen der Eichenprozessionsspinner geht derzeit akute Gefahr aus. Allerdings: „Man braucht nicht allzu große Angst zu haben“, sagt Nathaniel Wagner (17). Denn „richtig schlimme Reaktionen zeigen nur einige wenige Allergiker“, betont Jan Fricke (17). Die Reuchlin-Gymnasiasten haben mit ihren Kameraden Nivethan Suriakumar (16), Sean Staffl (18) und Simon Kollmannsberger (16) eine umfassende Bürgerinformation zu den Tierchen mit den tückischen Brennhaaren erstellt – im Auftrag des Wildparks. Ab dem kommenden Jahr soll ihre Arbeit für alle Pforzheimer von Nutzen sein. Gut möglich, dass sie gar über die Stadtgrenzen hinaus Schule macht.

Wildpark-Förster Carsten Schwarz spricht von einem „wichtigen Beitrag“ mit dem Ziel, „den Leuten über Wissensvermittlung die Angst zu nehmen“. Was in einem TheoPrax-Seminarkurs – das „Reuchlin“ ist hier einzige Pforzheimer Kooperationsschule des Fraunhofer-Instituts – über Monate entstanden ist, sei „ein Verhaltenskodex gegenüber den Raupen“. Auch wenn das prophylaktische Spritzen einzelner Bäumen nahe Schulen, Kindergärten und öffentlichen Plätzen im Frühjahr sowie das aktuelle Abflammen Wirkung zeige, werde es künftig wegen des Klimawandels gewiss mehrere Bereiche großflächigen Befalls geben. Ein solcher ist derzeit auf dem Buckenberg an der Ecke Tiergartenstraße/Straße des 3. Husarenregiments zu beobachten. Dort hilft nur: Warnen. Denn alle Eichen mit Insektizid zu besprühen, ist laut Schwarz technisch unmöglich und wäre auch ökologisch fatal. Kein anderer Baum biete einen derart wichtigen Lebensraum für Insekten wie die Eiche, und das Spritzmittel töte sämtliche Schmetterlingsarten ab.

In einem Infoblatt, einer Faltbroschüre und mit einem in dieser Form wohl deutschlandweit bislang einmaligen Piktogramm zeigen die Schüler unter anderem auf, dass die Brennhärchen, auch wenn sie abgefallen sind, noch jahrelang giftig bleiben und Hautausschläge, aber auch andere allergische Reaktionen auslösen können. Deshalb sollten Passanten weder Raupen oder deren Nester anfassen, noch mit dem Erdreich im Umfeld befallener Eichen in Berührung kommen. Das Tragen langer Hosen und Oberteile sei etwa bei Ausflügen in den Wildpark ratsam. Diese sollte nach einem Kontakt bei mindestens 60 Grad ohne andere Kleidung gewaschen und auch betroffene Gegenstände oder das eigene Haar gründlich gereinigt werden. Bei heftigen Reaktionen sei ein Besuch beim Hausarzt, bei Atembeschwerden gar das Alarmieren des Rettungsdiensts geboten.

Lob für ihre in einem 60-seitigen Abschlussbericht zusammengefassten Erkenntnisse ernten die Elftklässler auch von ihren Lehrern Corinne Frey und Peter Schmidt. Für die Schüler sei es toll, etwas zu erarbeiten, das tatsächlich unmittelbar gebraucht werde, sagt Frey. Dass das Projektergebnis langfristig Verwendung finde und vielleicht gar andernorts adaptiert werde, sei eine schöne Bestätigung, so Sean Staffl.