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Reuchlin-Schleifen präsentieren Ziynet Fazlioglu, Hans Ulmer, Frank Hirschfeld, Werner Schödl, Özgür Dobruca und Ilse Peik-Versinger (von links). Foto: Rosendahl
reuchlin-ritt © Rosendahl
27.09.2011

Reuchlin-Ritt: Waisenhausplatz wird zum mittelalterlichen Festplatz

PFORZHEIM Hört Ihr Leut‘ und lasst Euch sagen, was Geschichtsschreiber Feldus (Frank Hirschfeld, Obermeister der Löblichen Singer), öffentlich kund getan hat. „Am 1. Oktober zur zweiten Mittagsstunde wird es ein Spektakulum in der Goldstadt geben“, rief er und kündigte den vierten Reuchlin-Ritt der Löblichen Singer an. Ein Tross mittelalterlich gewandeter Herrschaften und Fußläufiger wird mit 35 Pferden und 150 Personen vom Katharinentaler Hof bis zum Waisenhausplatz unterwegs sein.

Vorbei am Café Hasenmayer und der Nordstadtschule geht es über den Schlossberg und die Westliche bis zum Zielpunkt, wo Bürgermeisterin Monika Müller die Zuschauer des mittelalterlichen Spektakels um 14 Uhr willkommen heißen wird.

„Der Chor der Ottersteinschule singt mit 60 Mitgliedern das Lied ,Eine Welt ohne Ketten‘“, kündigt Mitorganisator Werner Schödl, Vorstandsmitglied der „Löblichen“ an. Er weist besonders darauf hin, dass alle Mitwirkenden ohne Waffen dabei sein werden, „und der humanistische Gedanke der Toleranz sich im Kreis des Tanzes schließt und nicht im Kräftemessen des Schwertkampfs.“ Aus diesem Grund werden auch der türkische Musik- und Tanzverein erstmals beim Reuchlin-Ritt als Zeichen der Internationalität und Völkerverständigung folkloristische Beiträge leisten.

Gewandtmeisterin Andrea Heusel aus Bretten, die auch Volkshochschul-Kurse im Schneidern mittelalterlicher Kleidung anbietet, hat Geschichtsschreiber Feldus in diesem Jahr gar Festliches auf den Leib geschneidert. Auch Ilse Peik-Versinger als Markgräfin Ottilie von Baden und Historiker Olaf Schulze als Johannes Reuchlin werden für besonderes Kolorit sorgen. „Die Reuchlin-Schleife als beliebtes Gebäck der Löblichen Singer sowie der Reuchlin-Wein werden unter das Volk verteilt“, verspricht Hirschfeld.

Auf dem Waisenhausplatz-Areal wird es von 14 bis 19 Uhr ein buntes Programm geben. Die Jugendmusikschule spielt Flötenstücke aus dem 14. bis 17. Jahrhundert. Die Kinder- und Jugendtanzgruppe überrascht mit dem Belrem-Rap. Das Reuchlin-Gymnasium präsentiert ein Sprechtheater, die Schanzschule Chorgesänge, die Weiherbergschule Trommler. Lesestücke der Nordstadtschüler, Posaunenchor-Darbietungen der Christuskirche sowie verschiedene Tänze bereichern das Programm, das der Musikverein Pforzheim und die Goldstadt-Fanfaren unterstützen.

Eine Spielstraße des Stadtjugendrings ist von 14 bis 17 Uhr aufgebaut. Mittelalterliche Gaukler unterhalten die Gäste, und die Akademie für Kommunikation präsentiert sich mit den Modenschauen „Plastic Phantasie“ und „Wüste“. Es böllert die „Grausame Barbara“ der Belrem-Gilde. Johannes Reuchlin und Markgräfin Ottilie erzählen aus ihrer Zeit. Marketenderinnen kredenzen Reuchlin-Bier der Privat-Brauerei Ketterer. Von 18 Uhr an finden Goldliner- Rundfahrten mit Begleitung durch Johannes Reuchlin statt.

Denkmalpfleger Christoph Timm führt durch das Museum Johannes Reuchlin von 15 bis 16 Uhr. In der Schloßkirche liest Anna Kugli aus Briefen von Reuchlin im Wechsel mit Chorgesang und Werken der Renaissance. Die Gruft der Markgrafen kann von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden.