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Das hat Pforzheim noch gefehlt: Die „Hells Angels“ wollen in der Nordstadt eine Ortsgruppe gründen. /Tschauner
Das hat Pforzheim noch gefehlt: Die „Hells Angels“ wollen in der Nordstadt eine Ortsgruppe gründen. /Tschauner
19.10.2008

Rocker-Gruppe „Hells Angels“ plant offenbar Niederlassung in Pforzheim

PFORZHEIM. Davor hatten die Polizei und das Ordnungsamt der Stadt Pforzheim schon seit Jahren Angst, die durch zahlreiche zaghafte Versuche immer wieder genährt wurde: dass die Rocker-Gruppe „Hells Angels“ („Höllenengel“) sich auch in Pforzheim ein Standbein schaffen wolle. Offensichtlich ist es nun soweit.

Freitag vergangener Woche: So viel Polizeipräsenz sieht die Nordstadt allenfalls an jedem 23. Februar – in Erinnerung des Jahrestags der Zerstörung Pforzheims 1945, wenn sie knapp unterm Wartberg Linke und Rechte davon abhalten muss, aufeinander loszugehen.

Doch diesmal handelt es sich nicht um ein jährliches Strohfeuer, sondern um etwas, das den Ermittlern wesentlich mehr Kopfzerbrechen bereitet. Polizeisprecher Wolfgang Schick erklärt auf Anfrage der PZ: Es hätten seit geraumer Zeit Anzeichen vorgelegen, wonach ein nicht näher genannter „Motorradclub“ in der Nordstadt eine Ortsniederlassung („chapter“) gründen wolle.

An sich nichts, weshalb man sich Sorgen machen müsste – regelte die Polizei doch vor einigen Jahren sogar den Verkehr zwischen Christuskirche und Katharinentaler Senke, als über 100 Kuttenträger nach der Eheschließung des Chefs der „Lobos“ („Wölfe“) ihre Maschinen starteten und zu einer dreitägigen Feier auf einem Gelände entlang der B 294 aufbrachen. Wovor man jedoch Muffe hat, sind die berüchtigten „Hells Angels“. Und denen galt nach Informationen der „Pforzheimer Zeitung“ die Aktion der Pforzheimer Kripo, unterstützt von 60 Angehörigen der Bereitschaftspolizei Böblingen und Biberach. Zwischen 18 und 21.30 Uhr errichtete die Polizei in der Nordstadt drei Kontrollpunkte, weil man damit rechnen musste, Waffen zu finden oder auf Männer zu stoßen, die zur Festnahme ausgeschrieben waren. Rund 130 Personen wurden genauer unter die Lupe genommen – in erster Linie an der Heinrich-Wieland-Allee. Kein Wunder, geht es doch von dort ab zur Karolingerstraße. Und genau dort, in einer Villa, soll die erste Zweigniederlassung der „Hells“ in Pforzheim eingerichtet werden. Nach Polizeiangaben gab es bei den Kontrollen keine Festnahmen.

Immer wieder Straftaten

Die Angst ist verständlich: Wo die „Hells“ sind, ist Ärger nicht weit. In Skandinavien lieferten sich die „Höllengel“ und ihre Rivalen „Bandidos“ in den 90er-Jahren mörderische Auseinandersetzungen, die in der Wahl der Waffen an einen Bürgerkrieg erinnerten. In Deutschland (1973 wurde der erste deutsche Club gegründet) stehen immer wieder Mitglieder der Gruppierung vor Gericht: wegen Drogenhandels, schwerer Körperverletzung, Verstößen gegen das Waffengesetz, Förderung der Prostitution.

Im Januar 2004 wurde der Chef der Karlsruher „Hells“, ein 42-jähriger Bordellbesitzer, in einem Innenstadt-Café erschossen.

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