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Engagierte Mitgestalter: Thomas Dörflinger, Peter Wagner und Christoph von Lettow-Vorbeck (von links). Foto: Ketterl

Rückenwind von „Pforzheim mitgestalten“ für Outlet-Pläne

Pforzheim. Große Chancen für einen Aufschwung der gesamten Stadt sieht der Verein „Pforzheim mitgestalten“ in dem Factory-Outlet-Center (FOC), das das Versandhaus Bader im Brötzinger Tal plant. Positiv bewertet der Vorstand auch die Umgestaltung der Fußgängerzone, sieht aber in der dortigen Sicherheitslage eines der aktuell drängendsten Probleme. Viel zu besprechen hatten die rund 60 Teilnehmer der Hauptversammlung am Mittwochabend im „Parkhotel“, bei der Peter Wagner als Vorsitzender und Christoph von Lettow-Vorbeck als Vorstandsmitglied bestätigt wurden.

Fabrikverkauf mit Strahlkraft:

Er selbst habe jüngst das FOC im elsässischen Roppenheim besucht und auf den riesigen Parkplätzen nur schwer einen freien Platz gefunden, berichtete der Vorsitzende Wagner, um zugleich zu ergänzen: „Ich hätte das Geld lieber in Pforzheim gelassen.“ Auch derart viele neue Arbeitsplätze täten der Stadt gut. „Warum sollten wir diese Chance nicht nutzen?“, fragte er und: „Warum sollte es in unserer Stadt verboten sein, Visionen zu entwickeln?“ Dazu könnte die zuvor von „Brauhaus“-Chef Wolfgang Scheidtweiler ins Gespräch gebrachte nahverkehrliche Verbindung von Gasometer, Brötzinger Tal und Innenstadt gehören, etwa auch durch eine Schwebebahn. Der Vorsitzende rief die Mitglieder auf, die FOC-Pläne zu befördern.

Innenstadt mit Licht und Schatten:

Die Umgestaltung der Fußgängerzone sei „gut gelungen“, die Baufirmen und das städtische Baustellenmanagement hätten für erfreulich reibungslose Abläufe gesorgt. Die Kommune habe vorgelegt, nun seien Initiativen örtlicher Händler gefragt. Entscheidend dafür, dass auch nach 18 Uhr wieder „flanierendes Leben“ entstehen könne, sei aber die Verbesserung der gefühlten Sicherheit. Viele Menschen mieden die Innenstadt in den Abendstunden. Da nutzten auch „die Streichelzoo-Einheiten nichts, die Karlsruhe mit Pferdestaffeln relativ sporadisch zu uns schickt“, so Wagner. Es sei „ein Unding“, dass selbst Polizisten sich nur „in Vierergruppen, sich gegenseitig sichernd und mit der Hand an der Waffe“ an Brennpunkte heranwagten. Hier müsse ein „harter Kurs“ gefahren werden, sagte Wagner, „damit das gutbürgerliche Publikum wieder seinen Platz in der Innenstadt finden kann“. Nach dem frühen Aus des neuen Marketingchefs Sascha Binoth, für das es „sicher handfeste Gründe“ gebe, hoffe man, dass beim WSP personell „bald wieder Ruhe einkehre“.

Das Ringen um City-Ost:

Inhaltlich bewerten wollte Wagner die Beweggründe des Aktionsbündnisses nicht, das – wohl vergebens – ein Bürgerbegehren gegen die Innenstadtentwicklung Ost anstrebte. Grundsätzlich aber sei es „sehr, sehr wichtig“, dass sich „Menschen überhaupt engagieren“. Dies zeige, „dass wir Gott sei Dank immer noch in einer lebendigen Demokratie leben“.

Interne und bürokratische Herausforderungen:

Aktuell zähle „Pforzheim mitgestalten“ 335 Mitglieder – 21 weniger als im Vorjahr. Generell täten sich Vereine schwer, die Überalterung zu stoppen. Man selbst baue insbesondere auf die Kooperation mit dem Leo-Club, also dem Lions-Nachwuchs, um dem Verein „junge Ideen zuzuführen“. So habe man – mit der Sparkasse Pforzheim Calw – der Stadt fünf sogenannte Smart-Benches gespendet. Allerdings habe die Stadtverwaltung dann fünfeinhalb Monate für die Entscheidung gebraucht, wo diese mit Stromanschluss und Internetzugang ausgestatteten Sitzbänke stehen sollen: beim EMMA, an der Hochschule, im Stadtgarten, beim Bootspick und am Sedanplatz. Wagner berichtete, dass die Verwaltung interveniert hatte, weil die Weihnachtsbeleuchtung auf der Nordstadtbrücke einen Tag zu früh eingeschaltet worden war. Man habe mit einem Hubsteiger anrücken müssen, um den Saft kurzzeitig abzudrehen. Einen langwierigen Nachweis habe der Verein erbringen müssen, dass die Strahler unter der Uhr auf dem Leo von der Stadt zu reparieren sind.

Beim Vorhaben, Schilder mit Erläuterungen zu Namensgebern von Straßen zu versehen, lasse das Kulturamt den Verein „im Regen stehen“. All das sei für die Motivation „nicht besonders förderlich“, so Wagner. Dafür könne man aber wegen des höheren städtischen Einsatzes die Putzaktivitäten auf dem Wallberg zurückfahren.

Die Glanzlichter des Jahres:

„Pforzheim mitgestalten“ hat ein umfangreiches Programm. Am Samstag, 25. Mai, wird die Bootspick-Saison mit „Bibi“ Kreutz und Band eröffnet. Es gibt für Mitglieder etliche Infotouren, etwa in den Wildpark, zum Outlet in Metzingen oder zu Großbaustellen.