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Wird der Takt in Außenäste wie den Arlinger ausgedünnt? Der VCD warnt davor. Archiv foto: Ketterl 

Ruf nach einem modernen und attraktiven ÖPNV - Verkehrsclub dringt auf Bürgerbeteiligung

Pforzheim. Der Nahverkehrsplan für den Enzkreis und die Stadt Pforzheim wird derzeit aktualisiert. Gesetzlich ist dies alle fünf Jahre gefordert. Der ökologische Verkehrsclub VCD beklagt, dass sich die beiden Aufgabenträger dafür doppelt so viel Zeit gelassen haben – der letzte Nahverkehrsplan stammt aus dem Jahr 2011.

„Schon vor Corona waren in den zurückliegenden Jahren die Fahrgastzahlen im Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis (VPE) rückläufig – entgegen dem positiven Landes- und Bundestrend“, so Matthias Lieb, Landes- und Kreisvorsitzender des VCD. Dieser begrüße deshalb das klare Bekenntnis zu einem leistungsfähigen und attraktiven ÖPNV, das im Leitbild des Plans festgehalten ist. Dieses Leitbild müsse dann aber auch in den Maßnahmen seinen Niederschlag finden. Hier sieht der VCD weiteren Handlungsbedarf, gerade im Hinblick auf die Einhaltung der Klimaschutzziele.

Zehn-Minuten-Takt:

Der VCD begrüßt die geplante Einführung des Zehn-Minuten-Takts auf den Hauptachsen, zumal dies vor 25 Jahren bei weniger Einwohnern schon Standard in Pforzheim gewesen sei. Damit würden die Kürzungen der vergangenen Jahre rückgängig gemacht. Allerdings sehe der Nahverkehrsplan den Zehn-Minuten-Takt nur im Kernbereich der Stadtbuslinien vor – auf den Außenästen soll dafür der Fahrplan ausgedünnt werden. Leider werde im Nahverkehrsplan nicht definiert, wo die Außenäste beginnen. „Es besteht die Gefahr, dass der Zehn-Minuten-Takt nur auf dem Abschnitt Brötzingen- Enzauenpark eingeführt wird und zum Arlinger beziehungsweise nach Eutingen der Fahrplan auf einen 20- oder gar 30-Minuten-Takt ausgedünnt wird“, kritisiert Lieb. Der VCD fordert eine Konkretisierung des Zehn-Minuten-Takts und den Verzicht auf Ausdünnungen.

Alternative Antriebe im Stadtbusverkehr:

Heute fahren laut VCD im Stadtverkehr fast nur Dieselbusse. Aus Sicht der EU solle sich dies rasch ändern. Die Clean Vehicles Directive (CVD) schreibe die Einführung von alternativen Antrieben in den nächsten Jahren vor. Angesichts der Pforzheimer Topografie biete sich aus Sicht des VCD der Aufbau eines O-Bus-Netzes an, bei dem elektrische Busse auf den Hauptachsen, insbesondere den Steigungsstrecken, während der Fahrt die Batterie aus einer Oberleitung aufladen und im Gefälle beim Bremsen wieder aufladen können („In-Motion-Charging“). In Esslingen sei dies erfolgreich im Einsatz und werde weiter ausgebaut. „Im Vergleich zu reinen Batterie-Bussen werden kleinere Batterien benötigt – außerdem können die Regionalbusse dieses System ebenfalls nutzen“, beschreibt Lieb die Vorteile.

Einrichtung eines Fahrgastbeirats:

Aus Sicht des VCD kann ein ÖPNV nur erfolgreich sein, wenn er gemeinsam mit den Fahrgästen geplant wird. Doch bislang sei eine Beteiligung der Fahrgäste an der Ausgestaltung nicht vorgesehen. Deshalb schlägt der VCD die Einführung eines Fahrgastbeirats bei den Aufgabenträgern Enzkreis und Pforzheim vor. Für Fahrplanentwürfe solle eine frühzeitige Fahrgastbeteiligung eingeführt werden, um rechtzeitig Rückmeldungen von Betroffenen zu erhalten.

Wie geht es weiter mit dem Verkehrsverbund VPE?

Angesichts der starken Pendlerverflechtungen außerhalb des VPE-Gebiets stelle sich aus Sicht des VCD die Frage, ob die Beibehaltung des kleinen Verkehrsverbunds zukunftsfähig oder ob eine Integration in einen größeren Verbund nicht sinnvoller ist. In Baden-Württemberg gibt es 21 Verkehrsverbünde. Zum Vergleich: Hessen werde durch nur zwei Verkehrsverbünde abgedeckt.