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11.12.2015

Rufbereitschaft des Jugendamts darf nicht übertragen werden

Wenn Kinder von ihren Eltern misshandelt oder vernachlässigt werden, muss es oft schnell gehen: Anrufe besorgter Nachbarn oder Verwandten gibt es auch außerhalb der normalen Bürozeiten des städtischen Jugendamts. Es muss dann überprüft werden, ob das Kind sofort in Obhut genommen werden muss.

Diese Zahlen steigen jährlich: In diesem Jahr waren es bislang schon 27 Inobhutnahmen, zwei mehr als im vergangenen Jahr und doppelt so viel wie 2013. Insgesamt waren 50 Kinder betroffen (2014: 45 Kinder). In 23 Fällen fand sich eine andere Lösung, um die Situation zu entschärfen. Die Rufbereitschaft der Sozialen Dienste ist ein wichtiges Bindeglied, um die Sicherheit der Kinder in der Krise zu gewährleisten.

Seit dem 1. Januar 2013 sind die Diakonie Pforzheim-Stadt und die Lichtblick gGmbH dafür zuständig, nachts und an Wochenenden die richtigen Schritte für das Kindeswohl einzuleiten. Jetzt muss diese Regelung aber auf neue Füße gestellt werden.

Rechtlich anders zu bewerten

Denn rechtlich gesehen, ist die Auslagerung dieser Tätigkeit des Jugendamtes auf einen freien Träger nicht zulässig. Im letzten Jugendhilfeausschuss hatte Uwe Jung-Pätzhold, stellvertretender Leiter des Jugendamts, darauf hingewiesen, dass die Rechtslage erst jetzt bekannt geworden sei. Deshalb soll ab dem 1. Januar 2016 eine Hintergrundbereitschaft der Sozialen Dienste greifen in enger Anstimmung mit den Trägern.

Im Krisenfall wenden sich künftig Polizei oder Kinderklinik, wie bislang auch, an den Notruf des ökumenischen Frauenhauses. Die Mitarbeiter überprüfen, wer zuständig ist. Handelt es sich um einen Fall in der Stadt, dann werden Diakonie und auch Lichtblick informiert. Deren Mitarbeiter schätzen ein, welche Lösungen in Betracht kommen und setzen sich mit dem diensthabenden Mitarbeiter des Jugendamts in Verbindung zwecks Absprache.