nach oben
Wohin mit all dem Schnee? Einfache Lösung: Ab in die Enz damit.
Wohin mit all dem Schnee? Einfache Lösung: Ab in die Enz damit. © Seibel
29.12.2010

Rund 500 Tonnen Schnee in die Enz gekippt

PFORZHEIM. Wohin mit den Schneebergen, wenn Bushaltestellen in der Innenstadt freigeschaufelt werden und sich die „Weiße Pracht“ meterhoch auftürmt? Bernd Hagenbuch, Leiter der für die Schneeräumung zuständigen Technischen Dienste bei der Stadt Pforzheim, beantwortet die Frage. „Wir haben wie in den Vorjahren auch unsere bewährte und genehmigte Entladestelle am Enzufer. Der Schnee kommt in den Fluss.“

In diesem Winter seien es bei rund 100 Transportfahrten bereits 500 Tonnen Schnee, vermischt mit Streusalz, die der Fluss aufnehmen musste.

Umweltamt gibt „grünes Licht“

Das Pforzheimer Umweltamt gibt für diese Aktion „Grünes Licht“. Amtsleiter Markus Haller beantwortet die Frage besorgter Bürger, ob der Fluss dieses Schnee-Salz-Gemisch vertragen könne. Da würden in Pforzheim Regenüberlaufbecken in großen Dimensionen gebaut, damit Schadstoffe über die Kläranlage laufen und die Flüsse geschont würden, und dann kippe die Stadt so ein Salzgemisch einfach in den Fluss. Sei das nicht verantwortungslos und konterkariere die Umweltbemühungen? „Nein“, sagt Haller. Das Streusalz werde in der Enz – bei den riesigen Wassermengen, die dieser Fluss bewege – so sehr verdünnt, dass dieses Schnee-Salzgemisch kaum eine Rolle mehr spiele. „Wo sollten wir die riesigen Schneemengen denn sonst hinbringen“, fragt er zurück und betont, dass dies auch in den Vorjahren so geschehen sei. Zudem durchlaufe der überwiegende Teil des Schmelzwassers in Pforzheim, der von der Kanalisation aufgenommen werde, die Kläranlage.

Anders Sorgen macht sich PZ-Leser Joachim Elsäßer, der befürchtet, dass bei zunehmendem Salzmangel auf Alternativen ausgewichen werde und eventuell ein Splittgemisch auf Pforzheims Straßen zum Einsatz komme. „Das würde ich nicht befürworten, weil diese kleinen Steinchen genau die sind, die der Autofahrer vom Vordermann auf die Windschutzscheibe bekommt und auch ansonsten die Fahrzeuge schädigen“, so Elsäßer.

Wie sehr das gegenwärtige Winterwetter die Bürger beschäftigt, zeigt auch der Anruf von Michael Kummer in der PZ-Stadtredaktion. „Am ersten Weihnachtstag haben wir nach einem Familienbesuch in Wimsheim auf den Bus in Richtung Sonnenhof gewartet. Nach 20 Minuten Verspätung kam zuerst ein kleiner Sprinter-Bus, wobei der Fahrer uns auf den Folgebus der Linie 2 hingewiesen hatte, der gleich kommen müsse“, erzählt er. Der Bus sei schließlich auch gekommen und ein zehnjähriger Junge sei mitgefahren. „Erst als sich der Bus schon in Bewegung gesetzt hatte, sagte der Fahrer, dass alle Fahrgäste an der Brötzinger Brücke aussteigen müssten, weil der Bus nicht die Büchenbronner Straße hochkomme.Hätte der Mann das früher angekündigt – zum Beispiel vor der Abfahrt beim Einsteigen– hätten wir den Zehnjähigen nicht mitfahren lassen, der die ganze Strecke zu Fuß auf den Sonnenhof laufen musste“, sagt Kummer.

Auch Leser Heinz-Peter Sebregondi befasst sich mit dieser Busline und der Aussage von Johannes schwarzer, Chef des Stadtverkehrs: „Die Busfahrer entscheiden im Einzelfall, ob sie zum Beispiel schlecht geräumte Bergstrecken wie nach Büchenbronn hochfahren. Notfalls müssten die Fahrgäste eben laufen.“

Sebregondi: „Schwarzer hat eine interessante Art von Humor, denn auf der Strecke von Brötzingen nach Büchenbronn gibt es ab Sonnenhof gar keinen Fußweg. Ich bin die Strecke selbst mühsam durch verschneite Wiesen am Straßenrand gestapft.“ Dass die stark befahrene Straße nach Büchenbronn bei der Räumung von lieblos behandelt werde, könne er bestätigen. „Weiß die Stadt, dass Büchenbronn zu ihr gehört, frage ich als Neubürger“.

Leserkommentare (0)