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Auf den Spuren des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte: Gerhard Brändle (links) mit den Teilnehmern. Foto: Gredel
Auf den Spuren des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte: Gerhard Brändle (links) mit den Teilnehmern. Foto: Gredel
17.11.2015

Rundgang durch Pforzheim zu Nazi-Tätern und ihren Gegnern

„Auf den Spuren der Nazi-Täter und ihrer Gegner in Pforzheim“ lautete der Titel der etwas anderen Stadtführung, die in der Innenstadt stattgefunden hat. Gerhard Brändle, Verfasser mehrerer stadt- und regionalheimatlichen Werke, Sprecher der „Friedensinitiative“ und Kontaktperson der Deutschen Friedensgesellschaft, führte rund 25 interessierte Teilnehmer an verschiedene Orte der Geschichte.

Den zweistündigen Rundgang untermauerte Brändle, der in seinen Arbeiten einen besonderen Schwerpunkt auf religiöse Minderheiten zur Zeit des Nationalsozialismus legt, mit Bild- und Schriftzeugnissen, Zitaten, seltenen Flugblättern, Propagandamitteln und Erzählungen aus dieser Zeit.

Die Stadtführung fand im Rahmen der diesjährigen Ökumenischen Friedensdekade statt, einer zehntägigen Veranstaltungsreihe rund um das Thema „Grenzerfahrungen“. Organisiert wurde der Stadtrundgang von der Evangelischen Kirche Pforzheim und der „Initiative gegen Rechts“. Der Mahngang beschäftigte sich mit der Frage, wie trotz Rassismus und Fremdenfeindlichkeit die Menschenwürde verteidigt und geachtet werden kann.

Schicksale im Blick

Elf Stationen und Stolpersteine in der Stadt wurden dabei angesehen. Vom Platz der Synagoge, wo die Gruppe ihren Rundgang startete, ging es weiter an die Volkshochschule, das Melanchthonhaus, über den Leopoldsplatz und die Fußgängerzone bis hin zum Rathaus. Die Schloßkirche bildete die letzte Station. „Es gab sehr wohl Menschen, die damals protestiert haben“, sagte Gerhard Brändle, der intensiv auf einzelne Gebäude, Schicksale, Überlebensberichte und die Flucht vor Nazis, aber auch Proteste der damaligen Stadtbewohner einging. Mit einigen davon war er selbst schon in Kontakt gewesen. Auch die kirchliche Situation und die Verteidigung der Religionen und Gotteshäuser waren dabei ein Thema.

„Viele Menschen, auch Bischöfe und Priester protestierten. Sie standen auf und sagten laut und deutlich ihre Meinung. Heute hindert uns daran niemand mehr.“ Am Ende der Führung durch die Geschichte der Stadt stand Brändle seinen Zuhörern Frage und Antwort. Die Diskussionsrunde und der Applaus der Teilnehmer sprach dabei für sich. Auch Dekanin Christiane Quincke bedankte sich für die Ausarbeitung und das „phänomenale Wissen“. „Die Stadt und die einzelnen Orte und Stolpersteine werden somit noch einmal ganz anders wahrgenommen“, so die Dekanin. „Nächstes Jahr werden wir das mit anderen Orten wiederholen.“