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Das Auftreten von Uwe Hück gefällt nicht jedem in der SPD.  Foto: Moritz 

SPD glättet Wogen nach Hück-Haken: Kommissarischer Kreisvorsitzender gießt kein weiteres Öl ins Feuer

Pforzheim/Stuttgart. Da war die Faust des Boxers schneller, als sein Trainer „Nein“ sagen konnte: Uwe Hück hatte empört gegen einen Beschluss des Präsidiums der Landes-SPD rechtliche Schritte angekündigt. Nach dem Willen des Präsidiums soll die Kandidatur für die Landtagswahl im Wahlkreis 42 (Pforzheim, Engelsbrand, Kieselbronn, Birkenfeld und Ispringen) eine Sache von 70 Delegierten und nicht der Mitglieder werden.

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Christoph Mährlein will deeskalieren

Nun übt sich der nur noch kommissarisch agierende Vorsitzende des Kreisvorstands, Christoph Mährlein, in Deeskalation: „Ich halte das politisch nicht für sinnvoll“, so der Rechtsanwalt auf PZ-Nachfrage. Die Wogen hatten sich etwas geglättet – „aber der Uwe will sich das halt nicht gefallen lassen“.

Mährlein, der den Beschluss der Landes-SPD nicht nachvollziehen kann („eine Brüskierung des Kreisverbands Pforzheim“), bemüht sich nach eigenen Worten dennoch, mit dem Landes-Präsidium zusammenkommen. Und da belastet die Hück-Haken die ohnehin angespannten Beziehungen.

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Dabei könnte es durchaus sein, dass die ganze Aufregung umsonst ist – wenn Hück dabei bleibt, gegen Katja Mast für den Kampf um die Kandidatur zur Bundestagswahl in den Ring zu steigen. Dann nämlich, wenn er sich entscheidet, auf eine mögliche Kampfkandidatur gegen Annkathrin Wulff zu verzichten. Noch ist Hücks Gemeinderatskollegin und Mährleins Vorgängerin als Kreisverbands-Chefin die einzige gesetzte Genossin für die Landtagswahlkandidatur. „Es gibt unterschiedliche Auffassungen, was besser ist mit Blick auf die Wahl“, sagt Mährlein.

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Der Charity-Boxer Hück bleibt diesbezüglich noch in Deckung, will abwarten, wie sich der neu zu wählende Kreisvorstand zusammensetzt. Wie berichtet, hatte Mährlein nach deutlichem Gegenwind aus dem Gremium angekündigt, er werde als logische Folge das Handtuch werfen und sei bis zur Neuwahl nur noch kommissarisch im Amt. Solidarisch traten auch Hück und weitere vier Genossen zurück und fordern eine Neuwahl des kompletten Vorstands.

Fünf Mitgliederversammlungen wären für die Delegiertenwahl nötig – ein aus Hygienegründen organisatorischer Kraftakt in Zeiten von Corona. Nach einem Papier der Landesregierung gilt die 99-Personen-Regel bei Zusammenkünften ausdrücklich nicht für Nominierungen zu Bundes- und Landtagswahlen. Mährlein: „Die Corona-Regelung in Baden-Württemberg ist so mies wie in keinem anderen Bundesland.“

Olaf Lorch-Gerstenmaier

Olaf Lorch-Gerstenmaier

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