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Die SPD in Pforzheim und dem Enzkreis tritt wieder mit Katja Mast zur Bundestagswahl an.  Foto: Ketterl
Die SPD in Pforzheim und dem Enzkreis tritt wieder mit Katja Mast zur Bundestagswahl an. Foto: Ketterl
23.09.2016

SPD wählt Bundestagskandidatin: Auf ein Neues mit Katja Mast

Pforzheim. Die regionale SPD nominiert Abgeordnete für die Wahl zum Bundestag 2017. Die 45-jährige Katja Mast erhält 81 von 88 Stimmen und trifft als frisch gebackene Bundestagskandidatin keine Koalitionsaussage.

Katja Mast hat genau kalkuliert: Exakt 1460 Tage dauert eine reguläre Bundestagswahlperiode, und sie wolle diese weiteren 1460 Tage obendrauf, auf die elf Jahre, die sie bereits als Abgeordnete Pforzheim und den Enzkreis in Berlin vertritt. Dass sie das überhaupt sein und dort gar das für ihre Sozialdemokraten so wichtige Politikfeld der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik bearbeiten darf: „Das ist ein großes Geschenk, und ich habe die Ehre, dass es mir zu teil geworden ist“, sagt sie an diesem Freitagabend in der Aula der Gustav-Heinemann-Schule in Pforzheim bei ihrer Rede, mit der sie um die erneute Nominierung durch die Mitglieder der SPD-Kreisverbände Pforzheim und Enzkreis wirbt.

Eine Stunde später ist es geschafft, und der Pforzheimer SPD-Kreisvorsitzende Frederic Striegler gibt das Ergebnis bekannt: 81 der 88 Mitglieder haben für sie, die einzige Kandidatin, gestimmt. Das sind 92 Prozent, deutlich mehr als bei ihrer letzten Nominierung vor vier Jahren, als die 45-Jährige knapp 87 Prozent erhielt – aber mehr Stimmen bekam, weil damals am gleichen Ort fast 200 Genossen an der Nominierung teilgenommen hatten. Lag’s daran, dass es damals erstmals eine Mitgliederversammlung anstelle einer Delegiertenkonferenz war, die über die SPD-Kandidatur im Wahlkreis Pforzheim entschied? Dass mit Peer Steinbrück der Kanzlerkandidat schon ausgerufen war? Dass die SPD, immerhin, als die große Oppositionspartei in den Bundestagswahlkampf gegen eine schwarz-gelbe Regierung zog und nicht aus der Rolle als Juniorpartner der CDU unter der so lange unschlagbar scheinenden Angela Merkel heraus?

„Für Schaffer und Steuerzahler“

Die Unschlagbarkeit der Kanzlerin und damit der CDU jedenfalls ist vorbei, so lautet Masts Botschaft. Die SPD wolle regieren, und wer soziale Politik anstelle von Populismus wolle, für den müsse sie regieren. Bewusst vermeidet Mast eine Koalitionsaussage. Nur soviel: Noch sei die „Linke“ zu sehr dabei, sich am Verhältnis zur SPD abzuarbeiten, um im Bund regierungsfähig zu sein.

„Wir machen Politik für diejenigen, die morgens aufstehen, schaffen gehen und ihre Steuern zahlen“, definiert Katja Mast die Zielgruppe, ob als Arbeitnehmer oder Selbstständige. Die SPD habe das Handwerk gefördert, die Integration von Flüchtlingen über Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten vorangebracht, mit dem Mindestlohn vier Millionen Menschen höhere Einkommen beschert, die Rente mit 63 erreicht. Und in der Region den Städtebau gefördert, das THW, die Verkehrsinfrastruktur mit A8-Ausbau und Westtangente. Bei letzterem sei sie mit ihrem CDU-Kollegen Gunther Krichbaum gemeinsam engagiert unterwegs gewesen, aber seine Partei – und auch die Grünen – könne nicht wählen, wer soziale Politik wolle.

„Hinterbänkler Krichbaum“

Die direkte Attacke auf Krichbaum bleibt an diesem Abend dem Pforzheimer SPD-Kreisvorsitzenden Striegler vorbehalten: „Im Vergleich zu Katja Mast ein unbedeutender Hinterbänkler“, sagt Striegler. Schwarz-rote Harmonie sieht anders aus. Nicht nur bei der Zahl der Tage einer Legislatur-Periode hat in der SPD das Kalkulieren begonnen.

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