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Fahrgäste des Stadtverkehrs Pforzheim wurden über die digitalen Informationstafel und Aushänge über den Grund des Busausfalls in Pforzheim informiert. Nach 14 Uhr sollte sich der Busverkehr wieder normalisiert haben.
Fahrgäste des Stadtverkehrs Pforzheim wurden über die digitalen Informationstafel und Aushänge über den Grund des Busausfalls in Pforzheim informiert. Nach 14 Uhr sollte sich der Busverkehr wieder normalisiert haben. © Erb
Nicht alle Stadtbusse sind heute ab 8 Uhr wegen einer Betriebsversammlung auf den SVP-Betriebshof im Brötzinger Tal gefahren: Dieser hier stand um etwa 8.20 Uhr an der Leopoldstraße und musste offenkundig wegen Ölverlusten abgeschleppt werden. Bis in den frühen Nachmittag hinein wird der Stadtbusverkehr weitgehend ausfallen, wobei die Regionallinien nach Fahrplan bedient würden. Foto: Klimanski
Nicht alle Stadtbusse sind heute ab 8 Uhr wegen einer Betriebsversammlung auf den SVP-Betriebshof im Brötzinger Tal gefahren: Dieser hier stand um etwa 8.20 Uhr an der Leopoldstraße und musste offenkundig wegen Ölverlusten abgeschleppt werden. Bis in den frühen Nachmittag hinein wird der Stadtbusverkehr weitgehend ausfallen, wobei die Regionallinien nach Fahrplan bedient würden. Foto: Klimanski © Klimanski
08.02.2016

SVP-Versammlung: Die Busse fahren wieder in Pforzheim

Pforzheim. Von 8 Uhr an sind heute keine Busse mehr auf den Linien des Stadtverkehrs Pforzheim (SVP) gefahren. Um 8.30 Uhr gab es im Depot eine außerordentliche Betriebsvollversammlung. Der Rosenmontag brachte daher Busausfälle im gesamten Stadtgebiet. Wie der SVP um 13.30 Uhr mitgeteilt hat, ist die Informationsveranstaltung des Betriebsrats beendet. Die Busse nehmen nun wieder ihren Fahrdienst auf. SVP-Chefin Claudia Wiest rechnet damit, dass die städtischen Linien bis 14.30 Uhr wieder planmäßig fahren.

„Es ist der SVP leider unmöglich, kurzfristig an einem Wochentag auch nur ansatzweise einen Ersatzverkehr mit Fahrern von Partnerfirmen zu organisieren, da in den Betrieben so gut wie keine Reserven mehr vorgehalten werden und wir uns in einer Ferien-/Haupturlaubszeit befinden“, teilt die SVP in einer Pressemitteilung mit. Die Regionallinien würden nach Fahrplan bedient. „Unsere privaten Partner fahren die städtischen Haltestellen auf ihren Routen an und nehmen Fahrgäste mit. (Es gibt aber auch Haltestellen, an denen der Verkehr ganz ausfallen wird.)“, so die SVP-Information. Über die automatischen Anzeigetafeln und mit Aushängen an den wichtigsten Haltestellen sowie über die SVP-Internetseite soll über die erwartete Betriebsstörung informiert werden.

 Während die Busfahrgäste nach Beförderungsalternativen suchen mussten, hatte der SVP-Betriebsrat rund 200 um ihren Arbeitsplatz fürchtende Mitarbeiter über den aktuellen Stand im Pforzheimer Linienbusverkehr informiert. Am vergangenen Freitag, so SVP-Betriebsratsvorsitzender Guido Koch, habe man in Karlsruhe ein erstes Tarifgespräch mit der Gewerkschaft ver.di geführt und dort auch Unterstützungssignale vom ver.di-Bundesvorstand erhalten, schließlich würde die neue Strategie der Bahn darauf abzielen, nicht nur in Pforzheim, sondern national kommunale öffentliche Arbeitsplätze zu vernichten. Ziel des SVP-Betriebsrats ist die Weiterbeschäftigung auf eben diesen öffentlichen Arbeitsplätzen. „Es gibt Möglichkeiten“, schätzt Koch die Situation am Montagmorgen gegenüber PZ-news ein. Wie die aussehen, wolle er aber erst mit ver.di den SVP-Kollegen erläutern.

Wie berichtet, sollen die städtischen Buslinien von Regionalbusverkehr Südwest (RVS) übernommen werden – und damit wären die Pforzheimer Stadtbusse allein in privatwirtschaftlicher Hand und im Einflussbereich der Deutschen Bahn. Das könne vielleicht noch verhindert werden, wenn die Stadt den Klageweg beschreiten würde, so Koch. Aber dem Gemeinderat hat der zuständige Ausschuss bereits empfohlen, auf eine Klage zu verzichten. Am Mittwoch, 10. Februar, fällen die Stadträte die Entscheidung. Noch hat Koch die Hoffnung nicht aufgegeben. Eine Klage wäre ein Novum, die Erfolgsaussichten seien daher schwer einzuschätzen, aber chancenlos sei dieser Weg nicht.

Am Donnerstag, 11. Februar, werde die SVP-Geschäftsleitung bei zwei Mitarbeiterversammlungen am Morgen und am Nachmittag die Belegschaft informieren. An diesem Tag dürfte es dann wohl auch Störungen im Pforzheimer Linienbusverkehr geben.

Wichtig ist es Koch gewesen, das weitere Vorgehen auf Tarifebene zu heben, was andere Reaktionsmöglichkeiten ergebe. „Wir wollen nicht streiken, es hängt aber alles davon ab, wie uns die Stadt entgegenkommt“, sagt Koch.

Mit der Betriebsvollversammlung am Rosenmontag würden nicht nur die 186 Busfahrer, sondern alle rund 350 Kollegen aus allen SVP-Bereichen umfassend informiert, „damit jeder für sich selbst eine Entscheidung treffen kann“. Die Mitarbeiter hätten nicht nur Angst um ihren Arbeitsplatz und um neue Arbeitsbedingungen, viele würden um ihre Existenz, um die Zukunft ihrer Familien fürchten. Wer frisch in den Beruf einsteigen würde, bekäme mit den neuen Verträgen 400 Euro weniger. Das sei für viele wirtschaftlich nicht so einfach oder gar unmöglich wegzustecken. Nach jetzigem Stand würde die SVP GmbH abgewickelt, 250 Mitarbeiter würden ihre Stelle verlieren.

Aber: Der Markt für Busfahrer sei gerade „relativ leer“, so Koch. Im vergangenen Jahr seien in Baden-Württemberg gerade einmal 750 Busfahrer ausgebildet worden.

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