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Für ein vom Land geförderteres Sanierungsgebiet  „Eutinger Tal“ müsste die Stadt trotzdem eigenes Geld in die Hand nehmen.
Für ein vom Land geförderteres Sanierungsgebiet „Eutinger Tal“ müsste die Stadt trotzdem eigenes Geld in die Hand nehmen. © Seibel
07.07.2010

Sanierung im Eutinger Tal steht in den Sternen

PFORZHEIM. Die Chancen, aus der Obdachlosensiedlung Unteren Enztal ein Sanierungsgebiet zu machen, stehen schlecht. Auf eigene Kosten baut die Stadtbau aber zwei Blocks zu 16 Wohnungen mit Heizung und Bad um.

In einem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats vom 18. Mai hatten die Fraktionen entschieden, die Obdachlosensiedlung zu erhalten und ein verändertes Nutzungskonzept für eine kleinere Siedlung zu erarbeiten. Laut Ordnungsamt gab es aber bislang keine direkten Gespräche mit der Stadtbau, um den städtischen Bedarf der beschlagnahmten Wohnungen zu benennen. Darauf aber müsste das Konzept fußen.

Leerstand in der Siedlung

Baubürgermeister Alexander Uhlig, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtbau, äußert sich schriftlich auf Nachfrage der PZ: „Die Entwicklung des Unteren Enztals orientiert sich an der vom Gemeinderat jüngst beschlossenen Beilage. Die Stadtbau GmbH ist beauftragt, dies umzusetzen. Die technischen und auch wirtschaftlichen Einzelheiten werden dort jeweils im Aufsichtsrat behandelt und beschlossen.“ Stadtbau-Prokurist Achim Maisch sagt hingegen: „Wir warten auf eine Grundsatzentscheidung der Stadt.“ Die müsse wissen, ob sie noch alle beschlagnahmten Wohnungen brauche.

Mehr als ein Drittel der etwa 180 Wohnungen stehen nach Angaben des Ordnungsamtes in der Siedlung leer, die Stadt zahlt aber für deren pauschale Beschlagnahmung einen Kostenersatz an die Stadtbau. Schon deshalb läge also eine Verkleinerung des Quartiers auf 120 bis 130 Wohnungen nahe. Dazu bedarf es aber einer städtischen Entscheidung. Die sei jedoch nachrangig, erklärt Uhlig. Erst mal sei der Umbau der beiden Blocks dran. Für eine Verschlankung der Siedlung müssten einzelne Bewohner umziehen, um ganze Blocks frei zu bekommen, erklärt Ordnungsamtsleiter Wolfgang Raff. Außerdem, so Raff, sei es dann nötig, die meist großen Wohnungen baulich zu verändern. Das koste wiederum Geld. Die Siedlung abzuspecken, findet Raff auf lange Sicht wünschenswert.

Kein Geld für Sanierung

Der Idee, mit Geld aus einem Sanierungsprogramm die restliche Siedlung auf einen Mindeststandard zu heben, erteilt Bürgermeister Uhlig einen klaren Dämpfer. „Für eine Neuausrichtung der Siedlung Unteres Enztal wäre es natürlich höchst wünschenswert, ein Sanierungsgebiet ausweisen zu können. Leider spricht die Realität eine andere Sprache: Aus finanziellen Gründen haben wir sogar im Rahmen der Haushaltskonsolidierung ein in Aussicht genommenes Sanierungsgebiet „Bleichstraße“ aufgegeben, weil wir es uns einfach nicht leisten können. Des Weiteren plant der Bund eine Reduzierung der Städtebauförderung, was ich auch wirtschaftspolitisch für das völlig falsche Signal halte, denn Städtebaufördermittel sind ein regelrechter Katalysator für weitere Ausgaben im privaten Bereich.“

Auch die Überlegung, eine Fachstelle für Obdachlose im städtischen Sozialamt anzusiedeln, wird wohl am mangelndem Geld scheitern.

Ganz gibt Uhlig die Hoffnung anscheinend nicht auf. Er schreibt: „Nachdem das Regierungspräsidium Karlsruhe – Städtebauförderung – am 19. Juli bei mir zu Gast ist, werde ich das Thema „Eutinger Tal Siedlung-Sanierungsgebiet“ dort ansprechen.“

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