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Pamina Elsässer liebt ihre Ausbildung. Die 18-Jährige befindet sich momentan im zweiten Lehrjahr und hat große Ziele: Sie will auf jeden Fall den Meister machen und Australien mit dem Rucksack kennenlernen.  © Röckinger
28.07.2017

Schere in der Hand, Shakespeare im Kopf - Pamina Elsässer ist "Azubi des Monats" im Juli

„Shakespeare ist sowieso der Beste, den es gibt“ – diese Aussage stammt nicht etwa von einem begeisterten Anglistik-Professor, sondern von der 18-jährigen Pamina Elsässer. Überrascht? Denn Pamina ist gewiss kein Durchschnittsteenie.

Pamina Elsässer ist "Azubi des Monats" im Juli

Ihre Liebe zur klassischen Literatur und zu Theater-Abenden macht die junge Frau in der heutigen Zeit eher zu etwas Besonderem. Wenn die sympathische Göbricherin nicht gerade in ihren vier Shakespeare-Sammlungen schmökert und sich darin verliert, findet man sie an ihrem Arbeitsplatz bei „t@lents - Junge Friseure“, einem Liwell-Friseur-Salon für junge Auszubildende in der Pforzheimer Innenstadt.
Die 18-Jährige befindet sich momentan im zweiten Lehrjahr und macht nicht nur in der Schule einen guten Job. „Pamina ist super fleißig, ehrgeizig und kollegial – wir sind froh, dass wir sie haben“, sagt ihre Ausbilderin Rosella Krause.
Ihre Leidenschaft zu Shakespeare erblühte früh. In der Grundschule besuchte Pamina eine Theater-AG. „Das hat so viel Spaß gemacht und mich geprägt“, erzählt sie. Kaum verwunderlich also, dass die junge Frau auch Besitzerin eines Abos für das Pforzheimer Stadttheater ist. Am liebsten schaut sie sich Shakespeare-Stücke an. „Hamlet ist mein absolutes Lieblingswerk. Es ist so fesselnd und man kann viel aus der Geschichte im Alltag wiederfinden“, sagt sie. „Romeo und Julia“ sei dagegen überhaupt nicht ihr Fall.
Als besorgniserregend empfindet Pamina die Smartphone-Abhängigkeit vieler jungen Menschen. „Es gibt so viele tolle Bücher, aber anstatt zu lesen, greifen viele lieber zum Smartphone“, kritisiert sie. Dabei bringe das Lesen so viel Positives: Besonders in der Schule könne es einem helfen, Aufgaben besser zu verstehen und sie zu lösen, erzählt sie weiter.

Bildergalerie: Pamina Elsässer ist "Azubi des Monats" im Juli

Auf die Friseur-Ausbildung ist Pamina zufällig gestoßen. Zunächst interessierte sich die 18-Jährige für eine Ausbildung zur Maskenbildnerin – natürlich im Theater. Für die Ausbildung war jedoch ein Praktikum in einem Friseurgeschäft von Nöten. „Meine Ausbilderin hat mir die Möglichkeit gegeben, mein Praktikum hier zu machen. Dann hat es mir hier so gut gefallen, dass ich nicht mehr weg wollte – ich habe also über Zufall meinen Traumjob gefunden“, lacht Pamina.
Einen weiteren Traum will sich die junge Frau in naher Zukunft erfüllen. Mit einer Freundin plant sie, ein ganzes Jahr mit dem Rucksack durch Australien zu reisen. „Davon träume ich schon lange. Es ist so faszinierend, wie unterschiedlich dort alles ist. Regenwald und Wüste, Berge und Meer, Sonne, aber manchmal auch Schnee – das ist unglaublich!“, schwärmt sie. Das glaubt man ihr sofort, denn ein wenig spiegelt es auch ihr Leben wieder: Aktuelle Trends in der Mode- und Frisuren-Welt, die unterschiedlichsten Menschen, mit denen sie tagtäglich zu tun hat, die schnelllebige Welt im Friseur-Alltag. Und auf der anderen Seite klassischer Shakespeare, ruhige Abende mit einem Buch in der Hand und Besuche im Theater. Stimmt, das Leben von Pamina ist alles andere als gewöhnlich. Und doch: Es könnte nicht besser zu ihr passen.

Drei Fragen an Ausbilderin Rosella Krause:

1. Was macht man in der Ausbildung zum Friseur?
In der Ausbildung im Friseurhandwerk trainieren wir unsere Auszubildenden schon ab dem 1. Lehrjahr. Wir zeigen ihnen alle praktischen Dienstleistungen, die am Kunden gemacht werden, und üben das intensiv mit ihnen. Nach einem Schneide-Seminar dürfen sie dann selbst die Schere anlegen. Ab dem zweiten Lehrjahr arbeiten sie sehr selbständig. Sobald unsere Auszubildenden die Salon-Reife erhalten haben, dürfen sie in unseren „Liwell“-Salons als Junior-Stylisten arbeiten.

2. Welche schulischen Voraussetzungen werden für die Ausbildung benötigt?
Ein guter Hauptschulabschluss.

3. Welche Eigenschaften sollte man mitbringen?
Wichtige Eigenschaften sind Interesse an der Mode, handwerkliches Geschick, aber auch den künstlerischen Aspekt darf man nicht vergessen. Unsere Auszubildenden dürfen sehr offen sein für Neues und interessiert an Weiterentwicklung und Experimenten. Wer sich zurücklehnen will, der ist in dem Beruf einfach falsch. Daneben zählt Freundlichkeit und ein guter Kontakt zu den Kunden.