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18.11.2010

Schlägerin bekommt wohl ein Jahr und neun Monate

PFORZHEIM. Die Prügel-Attacke vom 18. September 2009 in Pforzheim, die wenige Tage nach dem Fall Brunner in München auch in der Goldstadt Stadtgespräch war, kann nach Angaben des Pforzheimer Richters Ingo Mertgen, Vorsitzender des Jugendschöffengerichts, nicht mit dem Münchener Fall verglichen werden, bei dem ein Rentner aus Zivilcourage in eine Auseinandersetzung eingegriffen hat und beim Versuch getötet wurde, ein Kind zu retten.

"Die Pforzheimer Angeklagte hat lediglich drei Ohrfeigen ausgeteilt und einen Mann beleidigt - sonst nichts. Der Haupttäter, ein vermeintlicher Helfer, der einen Mann niedergeschlagen hat, der ins Krankenhaus kam, ist unerkannt in der Dunkelheit verschwunden", sagte Richter Mertgen. Die in Pforzheim ausgezeichneten Preisträger des Zivilcouragepreises seien vermutlich zu vorzeitig geehrt worden, denn erst durch die Passanten, die in guter Absicht hätten helfen wollen, sei die Auseinandersetzung an der Pforzheimer Bushaltestelle an der Leopoldstraße eskaliert. Sie hätten nur Teilaspekte der Auseinandersetzung mitbekommen und dadurch jeweils falsche Schlüsse gezogen. Die Angeklagte sei dafür nicht verantwortlich.

Dennoch verurteilte das Gericht die einschlägig vorbestrafte 19-Jährige, die Bewährungsbrecherin ist und selber zugibt, unter Alkoholgenuss aggressiv zu werden, unter Einbeziehung eines früheren Urteils in Höhe von einem Jahr und fünf Monaten zu einer Gesamtjugendstrafevon einem Jahr und neun Monaten. Die Entscheidung, ob sie Bewährung erhält, wird sechs Monate zurückgestellt. Sollte in dieser Zeit nichts passieren, erhält sie ihre Bewährung, wenn sie eine stationäre Alkohol-Therapie absolviert und 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leistet. Da die Angeklagte hoch verschuldet ist und von Hartz IV lebt, sah das Gericht davon ab, ihr die Kosten der Verhandlung aufzuerlegen. Auch ihr Bruder, der in Haft sitze, habe Probleme. Die Verurteilung am zweiten Verhandlungstag vor dem Pforzheimer Schöffengericht erfolgte wegen gefährlicher Körperverletzung - so werden die drei Ohrfeigen gewertet - und wegen Beleidigung.

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