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Torsten Truscheit (Autor), Markus Schütz (Pastoralreferent der katholischen Kirche Pforzheims), Brigitte Kiechle (Rechtsanwältin), Nicola Friedrich (Pfarrerin der evangelischen Matthäusgemeinde) sowie Moderator Christian Schmidt (Forum Asyl, Pforzheim, von links).  Frommer
Torsten Truscheit (Autor), Markus Schütz (Pastoralreferent der katholischen Kirche Pforzheims), Brigitte Kiechle (Rechtsanwältin), Nicola Friedrich (Pfarrerin der evangelischen Matthäusgemeinde) sowie Moderator Christian Schmidt (Forum Asyl, Pforzheim, von links). Frommer
07.06.2017

Schlaglicht auf Abschiebeanstalt - Filmvorführung und Podiumsdiskussion des Forums Asyl

Einprägsame Nahaufnahmen aus der Abschiebehaft in Baden-Württemberg lieferten zwei Kurzfilme, die während des Themenabends am Dienstag im Kommunalen Kino gezeigt wurden.

Zu sehen waren Sarah Molls 2005 (noch in 35-Millimeter Format) entstandene Dokumentation „Die Unerwünschten“ und der im Jahr 2010 gedrehte Spielfilm „Das Rauschen des Meeres“, eine gemeinsame Regiearbeit von Ana Rocha Fernandes und Torsten Truscheit.

Während „Die Unerwünschten“ sechs Gefangene in Rottenburg begleitet, wurde „Das Rauschen des Meeres“ mit Tyron Ricketts („Alarm für Cobra 11“) in der Hauptrolle eigens in einem leeren Gefängnis in Kehl in Szene gesetzt. Obwohl der Kurzfilm von Fernandes und Truscheit mit einem Zeitfenster von nur 25 Minuten auskommt und auch unter einer allgemeinen Überschrift wie beispielsweise „Liebe“ rangieren könnte, weckt er die mit der Abschiebehaft nicht straffällig gewordener Menschen einhergehenden Emotionen unmittelbarer und nachhaltiger. In den USA schaffte es „Das Rauschen des Meeres“ nach mehreren Festivalerfolgen, beispielsweise in Cleveland, auf die Oscar-Shortlist. Sowohl die um den Gefangenen und seine kleine Tochter gewobene Handlung als auch die einfühlsame kapverdische Musik von Mayra Andrade, die in dem Film auch mitspielt, tragen hierzu maßgeblich bei. Übrigens: Der Film steht Schulen im Medienportal der evangelischen und katholischen Medienzentren oder im Evangelischen Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit (EZEF) zur Verfügung – inklusive Unterrichtsmaterialien für Lehrer. Beide Filmbeiträge und die sich anschließende kurze Podiumsdiskussion im Kommunalen Kino bildete den Themenabend, dessen Ziel die Karlsruher Rechtsanwältin Brigitte Kiechle so auf den Punkt brachte: „Man kann Abschiebung nicht humanisieren. Es gilt, Öffentlichkeit dafür schaffen, dass ein Suchen nach Schutz nie ein Verbrechen sein kann“.

Sie forderte zum Protest gegen Abschiebehaft bei kommenden Wahlkampfveranstaltungen auf: „Lassen Sie uns ordentlich Wirbel machen und aufmüpfig sein!“ Kritisiert wurde hierbei auch die teils vollzogene Umwandlung der ehemaligen Pforzheimer Jugendvollzugsanstalt in ein Abschiebegefängnis, in das ab 2018 auch Frauen und Kinder eingewiesen werden sollen (siehe Kasten). Abschiebehaft, so machte das von Christian Schmidt (Forum Asyl) moderierte Podium im Kommunalen Kino unisono deutlich, kann jeden treffen, dem ein Schutzstatus schlicht versagt oder ein Aufenthaltsrecht nach Aktenlage entzogen wurde. Im Extremfall könne der Verlust eines Angehörigen eine solch desaströse Lawine auslösen. In den Abschiebegefängnissen säßen keine Verbrecher – und die Frage nach dem Warum ihrer Haft müsse gestellt werden.

www.koki-pf.de; http://ezef.de