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27.08.2008

Schlechte Aussichten für angeprangerte Nachbarn auf "Rotten Neighbor"

PFORZHEIM. Bewerte deine Nachbarn - ob „Kinderschänder“ oder „Super Restaurant“, die in Kalifornien betriebene Internetplattform „Rotten Neighbor“ macht es möglich. Auch Pforzheim wird davon nicht verschont. Dabei wird der Wohnort des vermeindlich bösen Nachbarn durch ein rotes Haussymbol gekennzeichnet und anschließend die Meinung über ihn anonym veröffentlicht.

Die Idee stammt laut einem Bericht von sueddeutsche.de vom Webseiten-Entwickler Brant Walker aus San Diego. Vor einem Jahr stellte der 27-Jährige die neue Plattform ins Internet und verdient seither genug durch die Werbung.

Jetzt schwappt die Welle auch nach Deutschland über. Der Erfinder Brant Walker behauptet in einem Bericht der New York Post, dass es sich dabei um ein wichtiges „Werkzeug für Immobilienmakler und potentielle Hauskäufer“ handle.

„Warum soll man eine Million Dollar ausgeben, um am nächsten Tag herauszufinden, dass man schlechte Nachbarn hat?“, rechtfertigt Walker seine Webseite in der New York Post. Darüber hinaus betont er, dass Denunzierte sich selbst kontrollieren sollten, indem sie für falsche Einträge rote Flaggen vergeben – bei hoher Flaggenanzahl soll der Kommentar automatisch gelöscht werden.

So ist es auf der amerikanischen Website auch einfach möglich, Pforzheims Einwohner namentlich zu beleidigen. Durch das rote Häuschen im Luftbild der Stadt weiß jeder sofort, wo der oder die Betroffene wohnt.

Ob nun im Krankenhaus einige Schwestern Patienten beklauen, eine Betrügerin hohe Schulden bei Versandhäusern hat oder eine Friseurin wegen mangelnden Könnens als „Schlampe“ bezeichnet wird - all das ist in Sekundenschnelle über Pforzheim herauszufinden. Dabei ist es einfach die Adressen der „miesen Nachbarn“ ausfindig zu machen.

Eigentlich soll die Webseite aus den USA nur die Wahl des Wohnorts im Falle eines Umzugs erleichtern - mit grünen Häuschen werden in diesem Portal nette Nachbarn gekennzeichnet, doch es scheint als würde die Zahl der roten Denunzier-Symbolen überwiegen.

Eine strafrechtliche Verfolgung der Denunziaten ist jedoch alles andere als einfach. „Es ist schwierig, da jemanden ausfindig zu machen, so lange man im Internet nicht Name und Adresse nennt“, weiß der Pforzheimer Rechtsanwalt Jörg Blume. Er rät, Kommentare und rote Häuschen in der Goldstadt einfach zu ignorieren. Schließlich gehören nach Blume „zum Beleidigen und Verunglimpfen immer zwei. Wenn ich mich nicht beleidigen lasse, verpufft das Ganze.“

„Anstatt es zu ignorieren, kann man aber auch eine Strafanzeige bei der Polizei wegen Verleumdung, Beleidigung oder übler Nachrede erstatten.“ Doch die Aussichten auf Erfolg ist laut Blume relativ gering: „Irgendwann bekommt man dann einen Brief von der Staatsanwaltschaft - entweder man hatte Erfolg oder das Verfahren wurde eingestellt.“

Verbreiteten sich die Gerüchte jedoch in einem enormen Maß und gingen weit über das Internet hinaus, erreiche dies laut Blume eine Grenze, die nicht mehr hinnehmbar sei.